Drogentote in Deutschland erreichen Rekordniveau – jeder Vierte unter 30
Drogentote auf Rekordniveau – jeder Vierte unter 30

Die Zahl der Drogentoten in Deutschland hat im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand erreicht: 2150 Menschen starben an den Folgen ihres Drogenkonsums, wie der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Hendrik Streeck, am Montag in Berlin mitteilte. Besorgniserregend sei, dass die Opfer immer jünger werden: Jeder vierte Tote war unter 30 Jahre alt. Im Jahr zuvor hatte es noch 2137 Drogentote gegeben.

Junge Menschen besonders betroffen

„Besonders erschüttert mich, dass die Opfer immer jünger werden“, sagte Streeck. Seit 2021 seien die Todesfälle bei den unter 30-Jährigen um mehr als die Hälfte gestiegen, bei den unter 20-Jährigen hätten sie sich nahezu verdoppelt. „Viele dieser jungen Menschen können die Risiken noch nicht oder nicht vollständig überschauen“, so der Mediziner. Als Gründe nannte er psychische Belastungen, Krisen, aber auch Neugier und Übermut.

Streeck machte insbesondere den Mischkonsum von Medikamenten, Alkohol und anderen Substanzen verantwortlich. „Viele dieser jungen Menschen können die Risiken noch nicht oder nicht vollständig überschauen.“ Tödliche Kombinationen seien häufig. Junge Drogentote hätten insbesondere Medikamente wie Benzodiazepine, opioidhaltige Schmerzmittel und andere psychoaktive Arzneimittel konsumiert. Den Konsum mehrerer Substanzen bezeichnete Streeck als „hochgefährlich“.

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Forderungen nach mehr Prävention und Hilfsangeboten

Der Drogenbeauftragte forderte Konsequenzen: „Wenn fast jeder vierte Drogentote unter 30 ist, dann darf unsere Antwort nicht Betroffenheit sein, sondern es braucht auch Konsequenzen: mehr Prävention, frühere Hilfe und ein Hilfesystem, das Menschen rechtzeitig erreicht.“ Angesichts knapper Haushalte bei Bund und Kommunen warnte er: „Wir haben in Deutschland ein gutes Suchthilfesystem, aber wir dürfen es nicht kaputtsparen.“

Gerade Jugendliche bräuchten ausreichend Entzugs- und Therapieplätze sowie Begleitung für Familien. Streeck forderte „Angebote, die sie erreichen, bevor aus Risiko ein Todesfall wird“.

Todesursachen: Opiate und Kokain dominieren

Die häufigste Todesursache waren Vergiftungen in Verbindung mit Opiaten/Opioiden: 1316 Tote. Es folgten Vergiftungen mit Kokain/Crack (769), Heroin/Morphin (708), psychoaktiven Medikamenten (696) und Opiat-Substituten wie Methadon (611). Vergiftungen mit Amfetaminen lagen 602 Mal vor.

Auffallend ist laut Streeck die Ausbreitung synthetischer Opioide: So gab es 118 Todesfälle mit Beteiligung von Fentanyl, einem hochpotenten Schmerzmittel, das in den USA eine tödliche Epidemie ausgelöst hat. „Wir sehen auf dem Markt Tabletten, die aussehen wie bekannte Medikamente, aber mit hochpotenten synthetischen Opioiden wie Nitazenen versetzt sind“, warnte Streeck. Diese seien hochwirksam, aber auch hochgradig giftig. „Wer sie einnimmt, weiß oft nicht, was wirklich darin ist. Schon kleinste Mengen können tödlich sein.“

Altersverteilung und Geschlechter

Von den 2150 Toten waren 1777 männlich und 373 weiblich. Das Durchschnittsalter lag bei 40,6 Jahren. Unter 20 Jahre alt waren 106 Opfer, 209 waren 20 bis 24 Jahre, 213 waren 25 bis 29 Jahre. In der Altersgruppe 30 bis 39 Jahre gab es 455 Tote, 40 bis 49 Jahre: 589, 50 bis 59 Jahre: 387, und 191 waren 60 Jahre oder älter.

Seit 2021 stieg der Anteil der unter 30-Jährigen um 53 Prozent, die Zahl der unter 20-Jährigen hat sich fast verdoppelt. Streeck betonte: „Die Verharmlosung von Drogenkonsum hat einen Preis, den wir hier sehen.“

Langfristiger Trend und Maßnahmen

Bereits seit Jahren fordern die Drogenbeauftragten entschlossenes Handeln. „Wir müssen schneller, systematischer und konsequenter reagieren auf neue, immer gefährlichere Drogen“, hatte Streeck im Vorjahr gesagt. Zur Vorstellung der aktuellen Zahlen wählte er eine Berliner Arztpraxis, in der Abhängige Diamorphin erhalten, ein Substitutionsmittel.

Streeck kündigte Maßnahmen zur Eindämmung neuer Drogenprobleme an, die die Bundesregierung derzeit ressortübergreifend erarbeite. Dazu gehörten ausgebaute Monitoring- und Frühwarnsysteme für synthetische Opioide sowie mehr Vorbeugung und Hilfeangebote für junge Menschen.

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Der Beauftragte wies darauf hin, dass die Entwicklung kein rein deutsches Problem sei. Weltweit sei der Drogenkonsum zuletzt gestiegen, besonders bei Kokain und synthetischen Drogen. „Drogen, gefälschte Medikamente und hochriskante Mischungen sind heute oft nur wenige Klicks entfernt.“ Der „Dealer an der Straßenecke“ sei längst nicht das einzige Problem.

Vor zehn Jahren, 2016, gab es 1333 Drogentote in Deutschland. Die Experten berichteten damals von einer Zunahme des Konsums neuer psychoaktiver Substanzen. Die meisten Todesfälle waren auf Heroinkonsum zurückzuführen, mit immer älteren Heroin-Konsumenten. Bis 2012 war die Opferzahl zurückgegangen.