Berlin ist nach Ansicht einer unabhängigen Expertenkommission nicht ausreichend auf Krisen und Katastrophen vorbereitet. Das Gremium stellte am Montag seinen Bericht zum Stromausfall im Januar 2026 vor, der weite Teile des Berliner Südwestens tagelang lahmlegte. Die Kommission identifizierte zahlreiche Schwachstellen, darunter eine schlechte Kommunikation mit der Bevölkerung und Mängel bei der Notstromversorgung.
Anschlag auf Kabelbrücke als Weckruf
Der mutmaßlich linksextremistische Brandanschlag auf eine Kabelbrücke in Steglitz-Zehlendorf am 3. Januar 2026 führte zum größten Stromausfall in Berlin seit dem Zweiten Weltkrieg. Rund 100.000 Menschen waren betroffen, viele mussten mitten im Winter ohne Strom und Heizung auskommen. Die Stromversorgung konnte erst am 7. Januar vollständig wiederhergestellt werden. „Der Terroranschlag auf das Stromnetz im Januar 2026 war ein Weckruf für Berlin und andere Städte“, erklärte die Kommission. „Die Bewältigung der Lage führte Berlin an die Belastungsgrenze.“
Regierender Bürgermeister fordert mehr Investitionen
Bei der Vorstellung des Berichts im Roten Rathaus betonte der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) die besondere Bedrohungslage der Bundeshauptstadt. „Berlin als Bundeshauptstadt hat natürlich eine besondere Bedrohungslage“, sagte Wegner. „Deshalb müssen wir mehr für die Krisenfestigkeit tun.“ Dies erfordere jedoch erhebliche finanzielle Mittel: „Wir werden im Haushalt umsteuern müssen, wir müssen andere Prioritäten setzen.“ Neben Wegner nahmen auch Innensenatorin Iris Spranger (SPD) und die vier Kommissionsmitglieder an der Präsentation teil.
Empfehlungen der Kommission
Die Kommission schlägt den Aufbau eines Lage- und Krisenzentrums vor, das alle Krisenstäbe in Berlin und mit der Bundesebene vernetzen soll. Zudem empfiehlt sie die Einrichtung eines Chief Resilience Officer (CRO) auf Staatssekretärsebene in der Senatskanzlei, der die Lage kontinuierlich überwacht. Innensenatorin Spranger lehnte diesen Vorschlag jedoch ab: „Einen weiteren Beauftragten braucht Berlin nicht“, sagte sie deutlich.
Mehr Übungen und langfristige Ziele
Die Experten fordern deutlich mehr Übungen zur Vorbereitung auf Krisenfälle, auch für die Bevölkerung. Denn nicht nur Stromausfälle, sondern auch Hitzewellen könnten zu Krisensituationen führen. Ziel der Kommission ist es, dass alle betroffenen Akteure bis spätestens 2029 in der Lage sein müssen, den Betrieb ihrer Kernfunktionen über zehn Tage hinweg aufrechtzuerhalten. „Ohne solche Maßnahmen stehen wir im Katastrophenfall blank da“, so das Fazit. Allerdings räumen die Experten ein: „Die kritische Infrastruktur wird nie ganz ohne Störanfälligkeit sein.“
Zusammensetzung der Kommission
Der unabhängigen Kommission gehörten namhafte Persönlichkeiten an: Charité-Chef Heyo Kroemer, die ehemalige BVG-Chefin und Bahn-Managerin Sigrid Nikutta, der frühere Landesbrandmeister Albrecht Broemme sowie Ex-Bundeswehr-General Uwe Nerger. Sie hatten den Auftrag, die Ereignisse rund um den Stromausfall zu analysieren und Handlungsempfehlungen zu erarbeiten.



