Leihmutterschaft: Forscherin überrascht von Realität der Leihmütter
Forscherin überrascht von Realität der Leihmütter

Die Medizinanthropologin Anika König hat über viele Jahre Dutzende von Leihmüttern interviewt. Was sie zu hören bekam, hat ihre Meinung über die Leihmutterschaft geändert. Im Gespräch mit dem Tagesspiegel äußert sie sich zur aktuellen Debatte, die durch Jens Spahn ausgelöst wurde.

Komplexität der Leihmutterschaft

„Ich versuche seit Jahren, Aufmerksamkeit darauf zu lenken, wie komplex das Ganze ist“, sagt König. „Nun merke ich wieder einmal, wie der Diskurs polarisiert. Jeder hat eine Meinung dazu, aus dem Bauch heraus, geprägt von Annahmen und Gefühlen.“

Die Forscherin betont, dass ihre jahrelangen Interviews mit Leihmüttern ein ganz anderes Bild gezeichnet hätten als das, was in der öffentlichen Debatte oft angenommen werde. „Die Frauen waren ganz anders, als ich es erwartet hatte“, gesteht sie.

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Überraschende Erkenntnisse

König berichtet, dass viele Leihmütter ihre Entscheidung bewusst und aus freien Stücken getroffen hätten. Sie seien nicht, wie oft vermutet, Opfer von Ausbeutung oder Notlagen. Stattdessen zeigten sie eine hohe Eigenverantwortung und reflektierten ihre Motive genau.

„Die Frauen beschrieben ihre Erfahrungen als bereichernd und emotional erfüllend“, so König. Sie hätten oft enge Beziehungen zu den Wunscheltern aufgebaut und die Schwangerschaft als Teil ihrer eigenen Lebensgeschichte integriert.

Kritik an der aktuellen Debatte

Die Anthropologin kritisiert, dass die Diskussion um Leihmutterschaft in Deutschland häufig von moralischen Vorurteilen und nicht von Fakten geprägt sei. „Es wird viel über die Gefahren gesprochen, aber wenig über die tatsächlichen Erfahrungen der Beteiligten“, sagt sie.

Ihre Forschung zeige, dass ein pauschales Verbot oder eine unkritische Befürwortung der Komplexität des Themas nicht gerecht werde. Vielmehr sei eine differenzierte Regulierung nötig, die die Rechte aller Beteiligten schütze.

Forderung nach mehr Forschung

König plädiert für mehr empirische Forschung zu den langfristigen Auswirkungen der Leihmutterschaft auf alle Beteiligten. „Nur so können wir eine fundierte politische Entscheidung treffen“, betont sie. Die derzeitige Debatte sei zu sehr von Emotionen und zu wenig von Daten geleitet.

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