Frankreichs Sommer der Klimarekorde: Ein Land im Ausnahmezustand
Frankreichs Sommer der Klimarekorde: Ausnahmezustand

Frankreich erlebt einen Sommer der Klimarekorde: Extreme Hitze, verheerende Waldbrände und anhaltende Trockenheit setzen dem Land zu. Kaum ein europäisches Land ist in diesem Jahr so stark von den Folgen des Klimawandels betroffen wie Frankreich. Dennoch fehlt es an einer robusten Klimapolitik – auch weil Präsident Emmanuel Macron dieses Thema nie wirklich zur Priorität gemacht hat.

Rücktritt aus Protest gegen Pestizid-Gesetz

Die Umweltministerin Monique Barbut reichte am Mittwochmorgen ihr Rücktrittsgesuch ein. Damit protestierte sie gegen ein Gesetz, das zwei bereits verbotene Pestizide wieder einführte. Dieser Schritt zeigt die tiefe Kluft zwischen Umweltschutz und politischer Realität in Frankreich.

Nach Angaben des französischen Wetterdienstes Météo-France wurden in mehreren Regionen neue Temperaturrekorde aufgestellt. In Südfrankreich stiegen die Temperaturen auf über 42 Grad Celsius. Die Hitzewelle führte zu zahlreichen Waldbränden, bei denen tausende Hektar Land zerstört wurden.

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Klimapolitik ohne Priorität

Präsident Macron hatte in seiner ersten Amtszeit zwar den Klimaschutz als eines seiner zentralen Themen genannt, doch konkrete Maßnahmen blieben oft aus. Kritiker werfen ihm vor, wirtschaftliche Interessen über Umweltschutz zu stellen. Die Wiederzulassung von Pestiziden ist nur ein Beispiel für diese Politik.

Die Umweltorganisation Greenpeace Frankreich bezeichnete die Entscheidung als „Schlag ins Gesicht für den Umweltschutz“. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ifop sind 78 Prozent der Franzosen der Meinung, dass die Regierung nicht genug gegen den Klimawandel unternimmt.

Auswirkungen auf Landwirtschaft und Bevölkerung

Die anhaltende Trockenheit bedroht die Ernten vieler Bauern. Besonders betroffen sind Weizen- und Maisanbau. Die französische Landwirtschaftskammer schätzt die Ernteverluste auf bis zu 30 Prozent in einigen Regionen. Auch die Wasserversorgung wird knapp: In über 100 Gemeinden musste die Trinkwasserversorgung per LKW sichergestellt werden.

Die Hitzewelle hat auch gesundheitliche Folgen. Laut Gesundheitsministerium wurden in diesem Sommer bereits über 1.500 hitzebedingte Todesfälle registriert. Besonders ältere Menschen und Kinder sind gefährdet.

Proteste und Forderungen

Umweltaktivistin Greta Thunberg kritisierte auf Twitter die französische Klimapolitik scharf. „Frankreich versagt beim Klimaschutz. Die Regierung muss endlich handeln“, schrieb sie. In mehreren Städten fanden Demonstrationen statt, bei denen Tausende Menschen strengere Klimaschutzgesetze forderten.

Die Regierung kündigte als Reaktion ein neues Klimapaket an, das jedoch von Experten als unzureichend bewertet wird. Der Klimaforscher Jean Jouzel sagte: „Ohne drastische Maßnahmen wird Frankreich seine Klimaziele nicht erreichen.“

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