Gewalt gegen Helfer: Bedrohungen aus Frauenhilfe und Jugendamt
Gewalt gegen Helfer: Bedrohungen aus Frauenhilfe und Jugendamt

Nach der tödlichen Gewalttat in Stade vor anderthalb Wochen berichten Mitarbeiterinnen aus Berliner Frauenhilfe und Jugendamt über zunehmende Bedrohungen, Übergriffe und Einschüchterungen. „Täter verstecken Tracker in Kuscheltieren, um Frauen zu orten“, sagt eine Sozialarbeiterin, die anonym bleiben möchte. Die Helferinnen geraten selbst ins Visier, wenn sie Frauen und Kinder schützen.

Systematische Einschüchterung von Helferinnen

Die Bedrohungen sind vielfältig: Von nächtlichen Anrufen über Beschattung bis hin zu direkten Drohungen gegen die Familien der Mitarbeiterinnen. „Ein Täter hat gedroht, meine Kinder aus dem Kindergarten zu holen“, berichtet eine Jugendamtsmitarbeiterin. Laut einer internen Umfrage des Berliner Senats haben 40 Prozent der befragten Fachkräfte bereits Erfahrungen mit Bedrohungen gemacht.

Technologische Überwachung als neues Phänomen

Besonders besorgniserregend ist der Einsatz von Tracking-Geräten. „Wir finden immer öfter GPS-Tracker in Spielzeugen oder Kleidungsstücken, die Täter ihren Opfern heimlich zustecken“, erklärt eine Polizeibeamtin, die im Bereich häusliche Gewalt ermittelt. Diese Geräte ermöglichen es Tätern, die Aufenthaltsorte der Frauen zu verfolgen und sie gezielt zu bedrohen.

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Mangelnde Unterstützung und Sicherheitslücken

Trotz der Gefahren fühlen sich viele Helferinnen allein gelassen. „Wir haben keine festen Sicherheitsprotokolle für den Umgang mit akuten Bedrohungen“, kritisiert eine Leiterin eines Frauenhauses. Der Berliner Senat hat zwar eine Taskforce eingerichtet, doch die Maßnahmen greifen nach Ansicht der Betroffenen zu langsam. „Wir brauchen dringend mehr Schutz und psychologische Begleitung für die Mitarbeiter“, fordert eine Sprecherin des Landesfrauenrats.

Folgen für die Arbeit mit Gewaltopfern

Die ständige Bedrohung führt zu Personalausfällen und einer sinkenden Bereitschaft, in diesem Bereich zu arbeiten. „Viele Kolleginnen denken über einen Berufswechsel nach“, sagt eine Sozialpädagogin. Dabei sei die Arbeit wichtiger denn je: Die Zahl der Fälle häuslicher Gewalt ist in Berlin im vergangenen Jahr um 15 Prozent gestiegen.

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