Die Kinder sollen es einmal besser haben – das wünschen sich viele Eltern. Doch die Weltlage stellt dieses lange gültige Versprechen infrage. Wie man trotzdem glücklicher wird als die Eltern, hat Bettina Kaltenbach in ihrem Jugendbuch „Wie werde ich glücklicher als meine Eltern?“ aufgeschrieben. Sie bietet 50 Tipps, damit junge Menschen die Wirren der Adoleszenz und der Welt als Ganzes meistern können.
Die Herausforderungen der Jugend
Wie wäre das eigene Leben wohl verlaufen, wenn eine Entscheidung damals anders ausgefallen wäre? Solche Fragen beschäftigen viele Erwachsene. Wer den Nachwuchs mit eigenen Erfahrungen unterstützen möchte, sollte nicht mit Dankbarkeit rechnen. Elternratschläge quittieren Jugendliche oft mit rollenden Augen. Bettina Kaltenbach sagt: „Ich hätte mir als Jugendliche gewünscht, dass mir jemand von außen ein paar Ratschläge an die Hand gibt: ‚Nimm, was du brauchst, den Rest kannst du weglassen‘.“
Neben den Allzeit-Themen Liebe und Job wachsen Jugendliche heute in enorme gesellschaftliche Umbrüche hinein: Künstliche Intelligenz, Klimawandel, Altersvorsorge, Kriege. Das lange gültige Versprechen, der nachfolgenden Generation werde es besser gehen, steht auf wackeligen Beinen. „Angesichts der weltpolitischen Lage kann schnell ein Gefühl von Hilflosigkeit und Ohnmacht aufkommen“, erklärt Kaltenbach. „Vieles lässt sich ohnehin nicht beeinflussen, also muss man sich fragen: ‚Was kannst du tun und wie kannst du handeln?‘ Um eben nicht in der Sorge zu erstarren, dass alles irgendwie gar keinen Sinn hat.“
Ambivalenter Blick in die Zukunft
Der jugendliche Blick in die Zukunft ist nicht völlig desillusioniert, aber ambivalent. Die Trendstudie „Jugend in Deutschland 2025“ zeigt: Die Mehrheit der 14- bis 29-Jährigen ist im Privaten zuversichtlich, aber gesellschaftlich und politisch enttäuscht. 65 Prozent blicken positiv auf ihre persönliche Zukunft, doch jeder Vierte schätzt den eigenen psychischen Zustand als behandlungsbedürftig ein. Die größten Sorgen sind Kriege, Wirtschaftskrise, Klimawandel und Altersarmut.
Die Sinus-Jugendstudie im Auftrag der Barmer ergab: Nur 44 Prozent der 14- bis 17-Jährigen sind optimistisch für die Zukunft des Landes – vor fünf Jahren waren es noch 62 Prozent. Dennoch sehen 79 Prozent ihre persönliche Zukunft positiv. Auch hier bereiten Kriege, Klimawandel, politischer Populismus und Umweltverschmutzung die größten Sorgen.
Umgang mit Nachrichten
„Ich finde es wichtig, achtsam und vorsichtig mit dem Nachrichtenkonsum umzugehen“, rät Kaltenbach. Negative Meldungen haben starken Einfluss auf den inneren Zustand. Umso wichtiger sei es, den eigenen Wirkungsbereich zu gestalten und Entscheidungen zu treffen, mit denen man sich wohlfühlt – wichtiger als das Glück selbst: „Glücklich zu sein ist sowieso kein Dauerzustand, niemand ist immer glücklich.“
Midlife Crisis vorbeugen?
Die Einordnung „glücklicher“ suggeriert, dass die Eltern es nicht unbedingt sind. „Viele Eltern sind einfach enorm gestresst“, sagt Kaltenbach. Jobanforderungen, Familiengründung, Kindererziehung, Beziehungskrisen – es gibt viele Gründe, warum Kinder ihre Eltern nicht als glücklich bezeichnen würden. Viele Erwachsene hinterfragen ihre Lebensentscheidungen erst, wenn die Krise vor der Tür steht. Lässt sich der Midlife Crisis schon in der Jugend vorbeugen? „Es kann nicht schaden, ein paar Sachen schon früher zu wissen. Dann muss man nicht warten, bis die große Krise kommt.“
Die meisten Eltern wünschen sich für ihre Kinder ein glückliches Leben – unabhängig von Ausbildung, Job oder Liebe. Doch auf irgendeinem Gebiet erfolgreicher zu sein als die Eltern, sei kein Selbstläufer, so Kaltenbach. Viele Jugendliche gestehen sich das nicht zu, aus Schuldgefühl oder Solidarität. „In Familien sitzen oft ganz tief liegende Loyalitäten, emotionale Bindungen, selbst wenn sie nicht positiv sind.“ Geht es den Eltern finanziell oder gesundheitlich schlecht, fällt es den Kindern schwerer, ein eigenes, weniger beschwertes Leben zu führen. Auch wegen besserer schulischer Bildung könnten sie sich Vorwürfe machen. „Viele befürchten, dass die Verbundenheit in Gefahr gerät und man sich entfremdet.“ Es sei wichtig, sich zu lösen und zu erkennen, dass ein erfülltes Leben im Sinne der Eltern ist.
Zukunftsplanung ohne Druck
Wann sollten Jugendliche beginnen, ihre Zukunft zu planen? „Müssen‘ steht in diesem Alter auf dem Index“, sagt Kaltenbach. Statt den Karriereweg strategisch auszutüfteln, sollten Jugendliche unbeschwert spüren, was sie interessiert, sich Zeit geben und Pausen lassen. „Sie sollen sich ausprobieren, Neues entdecken, jobben, auf Reisen gehen.“ Das gelte auch nach dem Schulabschluss. „Wir werden immer älter, arbeiten kann man also noch lange genug.“ Das bedeute nicht, Arbeit als Übel zu sehen. „Im Gegenteil: Wer Leidenschaften entdeckt und verfolgt, entwickelt auch Ehrgeiz.“ Wenn der Beruf Spaß macht, führt das zu Zufriedenheit, Bestätigung und mentaler Gesundheit – und das gilt nicht nur für Jugendliche.



