Seit Jahren beklagen Mieterinnen und Mieter der High-Deck-Siedlung in Berlin-Neukölln massive Mängel in ihren Wohnungen. Schimmel, Rohrbrüche und Feuchtigkeit gehören zum Alltag – und das, obwohl die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Howoge für die Instandhaltung zuständig ist. Am Dienstag machten die Betroffenen bei einer Kundgebung ihrem Unmut Luft und präsentierten eine sogenannte „Wall of Shame“. Auf einer Stelltafel dokumentierten sie mit Fotos und Berichten die immer neuen Schäden in ihren vier Wänden. Gleichzeitig sammelten sie Unterschriften, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen.
Jahrelange Missstände und wachsende Angst vor Mieterhöhungen
Die Liste der Beschwerden ist lang: In vielen Wohnungen der High-Deck-Siedlung dringt Feuchtigkeit durch die Wände, Schimmel breitet sich aus, und Rohrbrüche verursachen immer wieder Wasserschäden. Die Mieter kritisieren, dass die Howoge zwar immer wieder kleinere Reparaturen durchführe, aber grundlegende Sanierungen ausbleiben. „Wir erleben seit Jahren, dass die Schäden nicht nachhaltig behoben werden“, sagte ein Sprecher der Initiative. „Stattdessen werden sie nur notdürftig geflickt, und wir müssen mit den Folgen leben.“
Hinzu kommt die wachsende Sorge vor Mieterhöhungen. Viele Bewohner der Siedlung befürchten, dass eine umfassende Modernisierung, die längst überfällig ist, zu einer drastischen Steigerung der Mietkosten führen könnte. „Wir wollen keine Luxussanierung, sondern einfach sichere und gesunde Wohnungen“, betonte ein weiterer Aktivist. „Aber die Angst, dass wir uns die Miete nach der Sanierung nicht mehr leisten können, ist allgegenwärtig.“
„Wall of Shame“ als sichtbares Zeichen des Protests
Die „Wall of Shame“ soll die Missstände öffentlich machen und die Howoge unter Druck setzen. Auf der Tafel sind Fotos von verschimmelten Badezimmern, aufgequollenen Böden und undichten Rohren zu sehen. Dazu kommen handschriftliche Berichte der Mieter, die von wiederholten Schäden und langen Wartezeiten auf Reparaturen erzählen. „Wir wollen zeigen, dass dies kein Einzelfall ist, sondern ein systematisches Problem“, erklärte der Sprecher der Initiative. „Die Howoge muss endlich handeln und die Wohnungen so sanieren, dass sie den heutigen Standards entsprechen.“
Die Kundgebung am Dienstag war Teil einer länger andauernden Protestwelle. Bereits in den vergangenen Monaten hatten Mieter der High-Deck-Siedlung mehrfach auf die Zustände aufmerksam gemacht. Die Howoge selbst hat auf die Kritik reagiert und angekündigt, in den kommenden Jahren umfassende Modernisierungen durchzuführen. Allerdings bleiben die Mieter skeptisch – vor allem, weil die konkreten Pläne und die Auswirkungen auf die Mietpreise noch unklar sind.
Forderungen an die Howoge: Sanierung ohne Verdrängung
Die Initiative fordert von der Howoge eine Sanierung, die die Wohnungen instand setzt, ohne die Mieter zu verdrängen. Konkret verlangen sie eine Begrenzung der Mieterhöhungen auf ein sozialverträgliches Maß und eine enge Einbindung der Bewohner in die Planung. „Wir wollen nicht, dass die Siedlung nach der Sanierung nur noch für Besserverdienende bezahlbar ist“, sagte ein Mitglied der Initiative. „Die High-Deck-Siedlung ist ein Ort, an dem viele Menschen seit Jahrzehnten leben – das muss auch in Zukunft so bleiben.“
Die Howoge hat sich bislang nicht zu den konkreten Forderungen geäußert. In einer früheren Stellungnahme betonte das Unternehmen jedoch, dass man die Anliegen der Mieter ernst nehme und an Lösungen arbeite. Ob die „Wall of Shame“ und der wachsende Druck der Mieter zu einem Umdenken führen, bleibt abzuwarten. Die Initiative kündigte bereits an, den Protest fortzusetzen, falls die Howoge nicht bald konkrete Schritte einleite.



