Berlin erlebt eine extreme Hitzewelle mit Temperaturen bis zu 41 Grad am Wochenende. Die Polizei setzt Wasserwerfer ein, um die Bevölkerung abzukühlen, während Freibäder den Ticketverkauf stoppen und zahlreiche Veranstaltungen abgesagt werden. Die Klimagruppe Fridays for Future hat für Sonntag eine spontane Demonstration angekündigt.
Polizei setzt Wasserwerfer zur Abkühlung ein
Die Berliner Polizei kündigte an, ihre Wasserwerfer am Samstag in Mitte und Charlottenburg zur Erfrischung einzusetzen. Mit den Fahrzeugen soll Sprühregen erzeugt werden, in dem sich jedermann abkühlen darf. Die Aktion startet zwischen 13.45 und 14 Uhr an folgenden Orten: Pariser Platz und Platz des 18. März, Humboldtforum und Lustgarten, Rotes Rathaus, Potsdamer Platz, Schloss Charlottenburg.
Freibäder stoppen Ticketverkauf aufgrund von Überfüllung
Die angekündigte Hitze sorgte bereits am Vormittag für großen Andrang in den Berliner Freibädern. Vor dem Sommerbad am Insulaner in Berlin-Schöneberg bildete sich vor 10.30 Uhr eine mehrere hundert Meter lange Schlange, wie ein dpa-Reporter berichtete. Auf der Webseite der Berliner Bäder waren um kurz nach 11 Uhr Warnhinweise für das Sommerbad Humboldthain und das Sommerbad Pankow zu sehen: „Aktuell maximale Auslastung: Ticket-Verkauf-Stopp“. Der Zugang wird dort nur noch mit bereits gebuchten Zeitfenster-Tickets oder Abos gestattet. Insgesamt stehen 14 Sommerbäder und das Strandbad Wannsee zur Verfügung, die Betreiber rechnen mit bis zu 100.000 Gästen.
Fridays for Future ruft zu spontaner Hitzedemo auf
Die Klimagruppe Fridays for Future mobilisiert für eine spontane Demo am Sonntag. „So heiß war es noch nie: Gestern haben die Temperaturen in Deutschland alle bisherigen Rekorde gebrochen“, heißt es in der Ankündigung. Die Versammlung mit hundert angemeldeten Teilnehmern findet ab 21 Uhr im Invalidenpark statt.
Hitzegewitter am Sonntag möglich – Unwetterpotenzial
Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) steigen die Temperaturen am Samstag auf 38 bis 41 Grad, am Sonntag zunächst ähnlich hoch. Im Tagesverlauf bilden sich jedoch von Südwesten her Quellwolken, bevor örtlich kräftige Hitzegewitter entstehen können. Laut DWD besteht Unwetterpotenzial mit heftigem Starkregen, Hagel sowie schweren Sturmböen. Zum Wochenstart wird es etwas kühler: Am Montag liegen die Höchstwerte zwischen 29 und 32 Grad, am Dienstag zwischen 23 und 28 Grad.
Waldbrandgefahr steigt auf hohe bis sehr hohe Stufe
Die anhaltende Trockenheit lässt die Waldbrandgefahr am Wochenende weiter steigen. In fast allen Landkreisen Brandenburgs gilt eine hohe Gefahrenstufe, in Potsdam-Mittelmark, den Städten Potsdam und Brandenburg an der Havel sowie in der Prignitz und im Havelland wird sie sogar als sehr hoch eingestuft, wie das Ministerium für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz mitteilte. Auch innerhalb Berlins reicht die Waldbrandgefahr laut Waldbrandgefahrenindex des DWD je nach Bezirk von mittel bis sehr hoch.
Krankenhäuser verzeichnen moderaten Anstieg hitzebedingter Notfälle
Die „Vivantes“-Kliniken in Berlin haben in den vergangenen Tagen einen Anstieg hitzebedingter Einlieferungen von Patienten verzeichnet, der jedoch „moderat“ ausfiel, wie der Krankenhausbetreiber am Freitag mitteilte. In den Einrichtungen der Universitätsmedizin Charité sei die Versorgung stabil. Die Vivantes-Rettungsstellen behandelten überwiegend unter Flüssigkeitsmangel leidende ältere Menschen, in wenigen Fällen auch Sonnenstiche. Auch in Kinderrettungsstellen wurden mehr hitzebedingte Fälle verzeichnet, darunter Kopfschmerzen, Fieberkrämpfe oder Hitzschläge. Die Kliniken erwarten, dass die Fälle am Wochenende weiter moderat steigen.
Wasserverbrauch erreicht Spitzenwerte – Trinkbrunnen und Refill-Stationen
Die Berlinerinnen und Berliner nutzten am Freitag bis zu 49 Millionen Liter Wasser pro Stunde, wie die Berliner Wasserbetriebe mitteilten. Der höchste Tageswert wurde zwischen 20 und 21 Uhr erreicht. Die Wasserbetriebe weisen auf 250 Trinkbrunnen in der ganzen Stadt hin, an denen sich die Bevölkerung erfrischen kann. Am Trinkbrunnen am Mauerpark sorgt eine Vernebelungsanlage für angenehme Kühle. Zudem gibt es mehr als 600 Refill-Stationen in Cafés, Geschäften, Apotheken oder Arztpraxen, die kostenlos Wasserflaschen auffüllen. Allerdings ist das Wasser aus den 163 Zierbrunnen kein Trinkwasser und sollte nicht getrunken werden.
BVG bereitet sich auf Hitze vor – U-Bahnen fahren mit maximaler Wagenzahl
Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) lassen am Wochenende auch in den Abendstunden U-Bahnen mit der maximalen Wagenzahl fahren, um die Fahrgäste nicht zu eng in den Fahrzeugen sitzen zu lassen. Die Beschäftigten werden durch die Bereitstellung von Trinkwasser an Endstellen, in Betriebshöfen und Werkstätten unterstützt. Zudem verteilen Kollegen an ausgewählten Knotenpunkten Wasser an die Fahrer. In den Straßenbahnen stehen kleine Kühltruhen zur Verfügung, in denen Getränke gekühlt aufbewahrt werden können.
Zahlreiche Veranstaltungen und Einrichtungen geschlossen
Wegen der Hitze bleiben am Wochenende viele Einrichtungen geschlossen oder sagen Veranstaltungen ab. Die Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) sagte alle Veranstaltungen in der Amerika-Gedenkbibliothek ab. „Bibliotheken sollten stets sichere und gut zugängliche öffentliche Aufenthaltsorte für alle sein – und zwar zu allen Jahreszeiten. Dass wir genau das gerade mal wieder nicht anbieten können, zeigt, wie dringend Berlin ein Bibliotheksgebäude braucht, das auf der Höhe der Zeit ist“, sagte Jonas Fansa, Direktor der ZLB. Auch die preußischen Schlösser schließen bereits um 13 Uhr, der Fährbetrieb zur Pfaueninsel wird eingestellt. Der Bezirk Mitte schließt mehrere Kultureinrichtungen, darunter den Bärenzwinger, die Galerie Wedding und die Klosterruine. In Charlottenburg-Wilmersdorf bleiben die Kleine Orangerie und die Kommunale Galerie geschlossen. Der Flohmarkt am Kranoldplatz in Neukölln wurde für Sonntag abgesagt. Die Evangelische Kirche sagte ihren Sommer-Empfang ab.
Experte warnt vor Kopfsprüngen ins kalte Wasser
Jan Schwab, Direktor der Klinik für Rückenmarkverletzte am BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin (UKB), warnt vor Kopfsprüngen ins flache Wasser. „Die Halswirbelsäule ist besonders fragil. Das führt direkt zu einer Lähmung“, sagte Schwab. Er sieht jährlich mindestens zehn solcher Fälle, oft bei „übermütigen jungen Männern“. Ein bis anderthalb Meter tiefes Wasser sei zu flach für einen Kopfsprung, auch zwei bis zweieinhalb Meter können je nach Sprunghöhe zu flach sein. Er empfiehlt, bei unbekannter Wassertiefe nicht zu springen.



