Seit Wochen versammeln sich Tausende junge Menschen im Zentrum Neu-Delhis, um gegen die Regierung von Premierminister Narendra Modi zu protestieren. Die sogenannte „Kakerlaken-Bewegung“ hat sich als Sprachrohr einer unzufriedenen Jugend etabliert, die tiefgreifende politische und soziale Reformen fordert.
Die Entstehung der Bewegung
Der Name „Kakerlaken“ ist bewusst provokativ gewählt: Die Aktivisten sehen sich als widerstandsfähig und schwer auszurotten, ähnlich den Insekten. Ausgelöst wurden die Proteste durch die umstrittene Hochschulpolitik der Regierung, die nach Ansicht der Kritiker die akademische Freiheit einschränkt und soziale Ungleichheit verstärkt. Besonders das neue Bildungsgesetz, das private Hochschulen bevorzugt und öffentliche Einrichtungen schwächt, hat viele Studierende auf die Straße getrieben.
Verlauf und Forderungen
Die Demonstrationen beginnen meist am Vormittag und ziehen sich bis in die Abendstunden. Unter Schirmen und Plastikplanen trotzen die Teilnehmer dem Monsunregen, singen Lieder und rufen Parolen. Die Stimmung ist entschlossen, aber friedlich. Die Protestierenden fordern unter anderem die Rücknahme des Bildungsgesetzes, mehr Arbeitsplätze für Jugendliche und ein Ende der Korruption. „Wir lassen uns nicht unterkriegen. Die Regierung muss unsere Stimmen hören“, sagte eine 22-jährige Studentin aus Delhi.
Reaktion der Regierung
Premierminister Modi hat die Proteste bisher weitgehend ignoriert. In einer Rede vor Parlamentsabgeordneten bezeichnete er die Demonstranten als „von der Opposition gesteuert“. Diese Einschätzung wird von unabhängigen Beobachtern jedoch bezweifelt. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts CSDS unterstützen 68 Prozent der 18- bis 25-Jährigen die Anliegen der Bewegung. Die Regierung steht unter Druck, zumal die Proteste in mehreren Großstädten wie Mumbai, Kolkata und Bangalore Nachahmer gefunden haben.
Auswirkungen auf die Politik
Die anhaltenden Demonstrationen könnten die Position Modis vor den nächsten Wahlen schwächen. Zwar bleibt seine Partei, die Bharatiya Janata Party (BJP), in Umfragen vorn, doch die Unzufriedenheit unter jungen Wählern wächst. Politische Analysten sehen in der Bewegung ein Zeichen für einen Generationenkonflikt: „Die Jugend fordert nicht nur konkrete Reformen, sondern auch eine neue politische Kultur“, erklärt Professor Arvind Sharma von der Jawaharlal Nehru Universität. „Die Regierung muss darauf reagieren, sonst riskiert sie einen dauerhaften Vertrauensverlust.“
Internationale Beachtung
Die Proteste haben auch international Aufmerksamkeit erregt. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International haben die indische Regierung aufgefordert, die Meinungsfreiheit zu respektieren. Die USA und die EU äußerten sich besorgt über die Lage. Indien, das sich als größte Demokratie der Welt präsentiert, steht nun im Fokus der globalen Öffentlichkeit.
Ob die „Kakerlaken-Bewegung“ tatsächlich die Regierung in Bedrängnis bringen kann, bleibt abzuwarten. Bisher zeigt sich Modi unbeeindruckt, doch der Druck auf seine Regierung wächst. Die Jugendlichen sind entschlossen: Sie werden weiterkämpfen, bis ihre Forderungen gehört werden.



