Hilmar Swinka: Dreifachmord und erste Hinrichtung durch Nahschuss in der DDR
Hilmar Swinka, ein 1938 geborener Sektionsassistent der Berliner Charité, tötete in der Nacht auf den 14. Februar 1969 drei Frauen – zwei davon zur Probe, bevor er seine eigene Ehefrau Elfriede umbrachte. Er wurde später als erster Verurteilter in der DDR durch einen sogenannten „unerwarteten Nahschuss“ hingerichtet, eine neu eingeführte Methode, die die Guillotine ablöste.
Swinka arbeitete in der Pathologie der Charité, wo er bei Leichenöffnungen assistierte. Trotz seines beruflichen Geschicks war er privat ein Tyrann, der seine Frau regelmäßig schlug. Nachdem Elfriede ihn Ende 1968 wegen Körperverletzung angezeigt hatte und die Scheidung einreichte, drohte Swinka eine Gefängnisstrafe. Aus Wut und dem Drang, sich zu beweisen, beschloss er, seine Frau zu töten – aber erst nach zwei Probeläufen.
Die Probenmorde: Zwei Frauen sterben, bevor Swinka sein Hauptziel erreicht
Am Abend des 13. Februar 1969 griff Swinka zunächst einen Skatpartner in einer Kneipe an, der jedoch überlebte. Anschließend suchte er seine frühere Verlobte auf, die 15 Jahre älter war als er. Unter dem Vorwand, dort übernachten zu wollen, drückte er ihr die Kehle zu, schnitt sie mit einem großen Seziermesser auf und entnahm Organe – genau wie er es in der Charité bei Leichen tat. „Ich war unnatürlich ruhig. Das kam mir natürlich sehr entgegen für die Absicht, meine Frau zu töten“, sagte er später der Polizei.
Direkt danach begab er sich zur Wohnung seiner Geliebten, die er erst wenige Wochen zuvor kennengelernt hatte. Auch sie ließ ihn übernachten und wurde auf dieselbe Weise ermordet. Nach diesen beiden Taten fühlte sich Swinka bereit für sein eigentliches Vorhaben.
Der Mord an der Ehefrau: Polizei trifft auf ein grauenvolles Bild
Gegen 6:30 Uhr morgens betrat Swinka die Wohnung, in der seine Frau Elfriede mit ihrem Ex-Mann lebte. Er schob eine Waschmaschine vor die Tür, während eine Tochter die Polizei alarmierte. Als die Beamten eintrafen, hatten sie Mühe, die Tür zu öffnen. Swinka drückte seiner Frau die Kehle zu, schnitt ihr den Hals auf und versuchte vergeblich, den Kopf abzutrennen. Als er die Tür öffnete, bot sich den Polizisten ein so schrecklicher Anblick, dass sie sich übergeben mussten. Swinka wurde festgenommen und gestand sofort alle drei Morde.
Die psychiatrische Untersuchung bescheinigte ihm eine „abnorme Gefühlskälte“, aber volle Schuldfähigkeit. Im Mai 1970 wurde er zum Tode verurteilt. Weder die Berufung noch ein Gnadengesuch an Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht hatten Erfolg.
Die Hinrichtung: Geheimnisvoll und ohne Vorwarnung
Swinka wurde in die zentrale Hinrichtungsstätte der DDR nach Leipzig überführt, von deren Existenz die Bürger kaum etwas wussten. Man informierte ihn über das gescheiterte Gnadengesuch, ließ ihn aber über den Zeitpunkt der Vollstreckung im Unklaren. Stattdessen erzählte man ihm von einer Verlegung nach Bautzen. Als er aus seiner Zelle geführt wurde, trat von hinten Hermann Lorenz, ein Offizier des Innenministeriums, an ihn heran und drückte aus nächster Nähe eine Walther P38 mit Schalldämpfer an seinen Kopf – der sogenannte „unerwartete Nahschuss“. Dies geschah in den Kellerräumen des heutigen Amtsgerichts in der Alfred-Kästner-Straße, angeblich im ehemaligen Kinderzimmer der Hausmeisterwohnung.
Swinka war der erste von 20 zwischen 1969 und 1981 in der DDR auf diese Weise Hingerichteten. Die Leichen wurden meist noch in der Nacht eingeäschert und an unbekannten Orten begraben. Die Todesstrafe stand unter strenger Geheimhaltung; in den Medien wurde nie darüber berichtet. Die DDR-Führung wollte das Thema Kriminalität vermeiden, da es als „dem Sozialismus wesensfremd“ galt.
Bis heute kaum bekannt: Swinkas Fall und die Praxis der Todesstrafe in der DDR
Swinkas Geschichte ist bis heute weitgehend unbekannt. Dabei war er der erste Delinquent, der nach der Reform der Todesstrafe hingerichtet wurde – eine Reform, die angeblich eine humanere Behandlung vorsah, aber in Wahrheit die Hinrichtung noch geheimer machte. Die Öffentlichkeit erfuhr nie von den Todesurteilen oder deren Vollstreckung. Erst nach der Wiedervereinigung wurden Details bekannt, etwa durch Recherchen von Historikern und Journalisten.
Der Fall zeigt nicht nur die Abgründe eines Serienmörders, sondern auch die dunkle Seite der DDR-Justiz, die Menschen ohne öffentliche Kontrolle hinrichtete. Swinka selbst, der seinen Beruf als Sektionsassistent mit scheinbarer Professionalität ausübte, offenbarte eine erschreckende Kälte: Er tötete, um zu sehen, ob er es könne – und scheiterte letztlich nicht an seiner Moral, sondern nur an der Polizei.



