Salon Harry auf St. Pauli schließt nach über 100 Jahren
Salon Harry auf St. Pauli schließt nach über 100 Jahren

Der legendäre Friseursalon „Salon Harry“ in der Davidstraße auf St. Pauli hat nach über 100 Jahren seine Türen für immer geschlossen. Seit 1906 gab es in dem Haus Nummer 23, gegenüber der berühmten Davidwache, einen Friseursalon. Die langjährigen Betreiber Franz Stenzel (81) und Ute Bickeleit (63) trafen die Entscheidung zur Schließung vor drei Wochen. „Wir haben viel geweint“, sagt Bickeleit. „Auch viele Kunden haben geweint.“

Ein Stück Kiezgeschichte endet

Der Salon war nicht nur ein Ort für Haarschnitte, sondern auch ein Treffpunkt für Prominente aus Showgeschäft und Rotlichtmilieu. Die Beatles ließen sich hier Ende 1961 ihre Pilzkopfhaare richten, nachdem Fotografin Astrid Kirchherr den ersten Schnitt „versaut“ hatte. Prominenz wie Freddy Quinn und Kiezgrößen wie „Dakota Uwe“ oder „Wiener Peter“ waren regelmäßig zu Gast. Auch der berüchtigte Auftragsmörder Werner „Mucki“ Pinzner saß hier, wie Stenzel sich erinnert: „Ich weiß noch, wie er hier im Laden saß mit seinem Pitbull.“

Wandel der Reeperbahn

Die Reeperbahn befindet sich seit langem im Wandel. Weniger Rotlicht, Clubs und Kneipen, dafür mehr Kioske, Hotels und Fast-Food-Läden prägen das Bild. Die Schließung von „Salon Harry“ ist ein weiteres Zeichen dieses Wandels. „Wir hätten es gern an einen Nachfolger übergeben“, sagt Stenzel. Doch eine Nachfolgelösung sei nicht möglich gewesen. „Wir hatten schon seit längerer Zeit keinen Mietvertrag mehr“, erklärt Bickeleit. Man habe sich immer wieder mit dem Vermieter auf eine Verlängerung geeinigt, doch nun sei plötzlich Schluss gewesen.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Die letzten Tage im Salon

Bis Ende des Monats muss der Laden leer sein. Die schweren Friseursessel mit dunklen Lederpolstern, die vor der Mahagoniwand mit Spiegeln stehen, müssen abgebaut werden. „Das geht alles in die Mülle“, sagt Bickeleit wehmütig. Nicht alles landet jedoch im Müll: Die originalen Beatles-Friseursessel aus dem Keller sollen erhalten bleiben. Unter einer Plastikfolie steht in krakeliger Handschrift: „Hier saßen die Beatles & ich schon Ende 1961 zum Beatles Haarschnitt, nachdem Astrid den ersten Schnitt versaut hatte.“ Unterschrieben hat die Nachricht Horst Fascher, Musikpromoter und Mitgründer des Star-Clubs.

Ein neuer Lebensabschnitt

Franz Stenzel und Ute Bickeleit, die seit den 1980er-Jahren im Salon arbeiteten und später Eigentümer wurden, blicken nach vorne. „Wir machen uns ein schönes Leben“, sagen sie und lächeln. „Wir werden nur noch unseren Hund schneiden – und den Rasen.“ Die gemeinsame Tochter ist längst erwachsen. Stenzel, der ursprünglich nach Kiel wollte, aber in Hamburg hängen blieb, ist froh über seinen Weg: „Weil ich die Abfahrt Richtung Kiel verpasst habe.“

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration