Die Aktion „Ich still, wo ich will“ macht auf die Diskriminierung stillender Mütter in der Öffentlichkeit aufmerksam. Sirid Böhm, Mitgründerin der Initiative, spricht im Gyncast-Podcast über die Notwendigkeit, das Stillen in der Öffentlichkeit zu normalisieren. Anlass ist ein Vorfall in Saarbrücken Ende Mai, bei dem eine Mutter von einem Sicherheitsmitarbeiter aufgefordert wurde, mit dem Stillen in einer Einkaufspassage aufzuhören.
Hintergrund der Aktion
Die Aktion wurde von Sirid Böhm gemeinsam mit der Fotografin Anika Krickl und der Autorin Britta Fuchs ins Leben gerufen. Auf ihrem Instagram-Account zeigen sie Bilder von Frauen, die an öffentlichen Orten stillen – etwa auf dem Alexanderplatz, in der Kirche oder im Baumarkt. Ziel ist es, ein Zeichen gegen die gesellschaftliche Tabuisierung des Stillens zu setzen und Müttern das Gefühl zu geben, dass sie sich nicht verstecken müssen.
Der Vorfall in Saarbrücken
Tammy S. stillte ihr sechs Monate altes Kind auf einer Bank in einer Einkaufspassage in Saarbrücken, als ein Sicherheitsmitarbeiter sie aufforderte, damit aufzuhören. Nach einer Diskussion verließ die Frau das Einkaufszentrum. Solche Erlebnisse sind für Böhm der Antrieb, sich für die Rechte stillender Mütter einzusetzen.
Deutschland im internationalen Vergleich
Im Gyncast-Podcast erklärt Böhm, dass andere Länder wie Schweden oder Frankreich deutlich aufgeschlossener gegenüber dem Stillen in der Öffentlichkeit seien. In Deutschland hingegen würden Mütter oft schräg angesehen oder sogar zum Verlassen des Ortes aufgefordert. Dies sei nicht nur diskriminierend, sondern auch schädlich für die Gesundheit von Mutter und Kind, da Stillen nach Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation ideal sei.
Der Gyncast-Podcast
Der Gyncast ist ein wöchentlicher Podcast, der von Chefärztin Mandy Mangler und Tagesspiegel-Redakteurin Esther Kogelboom moderiert wird. Jede Folge behandelt ein gynäkologisches Thema wissenschaftlich fundiert und klischeefrei. Hörerinnen und Hörer können ihre Erlebnisse an gyncast@tagesspiegel.de oder über den Instagram-Account @gyncast einsenden.
Aufruf zur Normalisierung
Böhm betont: „Stillen ist die natürlichste Sache der Welt und sollte überall möglich sein.“ Die Aktion „Ich still, wo ich will“ möchte dazu beitragen, dass Mütter in Deutschland ohne Angst vor Diskriminierung stillen können. Der Instagram-Kanal zeigt beeindruckende Bilder, die die Vielfalt der Orte demonstrieren, an denen gestillt wird – von der U-Bahn bis zum Restaurant.



