Tod von Abderrahim Fakir in Bologna: Fatale Fehlerkette führte zu Tragödie
Tod von Abderrahim Fakir: Fatale Fehlerkette in Bologna

Der Tod von Abderrahim Fakir in Bologna ist nicht allein auf Polizeigewalt zurückzuführen, sondern auf eine fatale Verkettung von Fehlentscheidungen. Das ergeben neue Recherchen, die auf Befragungen von Augenzeugen und Rettungskräften basieren. Der 42-jährige Marokkaner starb, nachdem er von Polizisten am Boden fixiert und von Sanitätern nicht rechtzeitig medizinisch versorgt wurde.

Der Ablauf des Einsatzes

Am 22. Juli 2026 gegen Mittag alarmierten Anwohner in Bologna die Polizei wegen eines Mannes in einem psychischen Ausnahmezustand. Abderrahim Fakir schrie um Hilfe, schlug mit dem Kopf gegen die Wand und bat um einen Krankenwagen. Die Notrufzentrale 118 stufte den Fall fälschlicherweise als „Codice Verde“ ein – einen medizinisch nicht dringlichen Fall. Statt eines Notarztes schickte die Leitstelle lediglich einen Rettungswagen mit vier Freiwilligen des Italienischen Roten Kreuzes, ohne ärztliche Besetzung.

Als der Rettungswagen um 12:30 Uhr eintraf, war Fakir bereits von zwei Polizisten auf dem Asphalt fixiert worden. Die Beamten knieten auf seinem Rücken und legten ihm Handschellen an. Fakir rief immer wieder: „Aiuto, aiuto, basta!“ („Hilfe! Hilfe! Es reicht!“) und rang nach Luft. Die Sanitäter blieben zunächst passiv am Rand stehen, wie die Staatsanwaltschaft bestätigt. Erst sechs Minuten später, um 12:36 Uhr, forderten sie per Funk einen Notarzt an. Dieser verließ das Krankenhaus um 12:42 Uhr und traf um 12:53 Uhr ein – zu spät. Er konnte nur noch Fakirs Tod feststellen.

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Ermittlungen gegen Polizei und Rettungsdienst

Die Staatsanwaltschaft untersucht nun nicht nur das Verhalten der Polizisten, sondern auch die Entscheidungen des Rettungsdienstes. „La Repubblica“ berichtet, dass die Ermittlungen ausdrücklich die Abläufe in der Notrufzentrale 118 umfassen. Fakir war kein polizeibekannter Gewalttäter, sondern befand sich nach Zeugenaussagen in einem akuten psychischen Ausnahmezustand. Anwohner schildern übereinstimmend, dass er bereits lange vor dem Polizeieinsatz verwirrt wirkte und nach Hilfe rief.

Ein anonymer Notarzt des Rettungsdienstes 118 kritisierte den Ablauf scharf: „Ein Patient in einem akuten psychiatrischen Ausnahmezustand hätte medizinisch behandelt werden müssen.“ Als Standardvorgehen gelte nicht das Fesseln, sondern eine ärztliche Beurteilung, gegebenenfalls Beruhigungsmedikamente und ein kontrollierter Transport in eine psychiatrische Einrichtung. Die Leitstelle hätte bereits bei der Alarmierung einen Notarzt entsenden müssen.

Expertenkritik an der Fixierung

Mario Balzanelli, Präsident der italienischen Fachgesellschaft des Rettungsdienstes SIS118, sieht ein dramatisches Fehlverhalten. Gegenüber der Nachrichtenagentur ANSA erklärte er: „Mit hoher Wahrscheinlichkeit hätte Abderrahim Fakir gerettet werden können“ bei einem medizinisch korrekt organisierten Einsatz. Balzanelli spricht von einer unglücklichen Verkettung von Kommunikationsfehlern und kritisiert vor allem die Fixierung in Bauchlage: „Eine Fixierung mit dem Gesicht zum Boden darf niemals erfolgen.“ Die Bauchlage mit Druck auf Rücken und Brustkorb sei medizinisch als hochgefährlich bekannt und könne tödlich enden.

Gesellschaftliche Debatte

Die öffentliche Diskussion in Italien konzentrierte sich zunächst auf das Verhalten der Polizisten. Die Linke kritisierte eine „gewaltbereite Polizei“, während die Rechte die Beamten verteidigte. Die staatsanwaltlichen Ermittlungen gehen jedoch weiter und umfassen nun auch die Rolle des Rettungsdienstes. Hätte die Situation von Anfang an als psychiatrischer Notfall gegolten, wäre vermutlich nicht nur ein freiwilliger Rettungswagen, sondern ein ärztlich besetztes Notfallteam mit Sedierungsmöglichkeiten entsandt worden.

Der Tod Abderrahim Fakirs lässt sich kaum auf einen einzelnen Fehler reduzieren. Am Beginn stand eine Fehleinschätzung in der Notrufzentrale. Es folgte eine polizeiliche Strategie, die einen psychisch erkrankten Menschen als Sicherheitsproblem behandelte. Während des Einsatzes warteten die Rettungskräfte ab, statt auf eine sofortige ärztliche Intervention zu drängen. Schließlich wurde Fakir über mehrere Minuten in einer medizinisch hochriskanten Bauchlage fixiert, obwohl er immer wieder sagte, dass er keine Luft bekomme. Erst als er nicht mehr reagierte, wurde ein Notarzt angefordert.

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