Vom Architekten zum Alm-Eremiten: Leben wie vor 100 Jahren
Vom Architekten zum Alm-Eremiten: Leben wie vor 100 Jahren

Es schneit auf der Seiser Alm in Südtirol. Der Weg ist unter kniehohem Schnee kaum zu erkennen. Nach fast zwei Stunden erreicht man eine kleine Hütte auf 2050 Metern Höhe. Dort steht Ulrich Senoner (67), barfuß im Schnee, in einem blauen Stoffhemd und dünner Hose. Er wäscht sich das Gesicht mit Schnee.

Ulrich Senoner lebt seit sieben Jahren als Einsiedler auf dieser Alm. Früher war er Architekt in Wien, Berlin und Potsdam. Er entwarf Häuser und plante ein Ökodorf in Mecklenburg-Vorpommern, doch das Projekt scheiterte am Widerstand der Nachbarn. Kurz darauf zerbrach seine Ehe. Seine Frau zog mit den beiden Kindern nach Schleswig-Holstein. Ulrich musste neu anfangen.

2019 zog er auf die Alm. Sein Hab und Gut trug er in einer alten Kraxe den Berg hinauf. Die Hütte ist einfach eingerichtet: ein Holzherd, ein Tisch, eine Eckbank, ein Stuhl und eine schmale Küchenzeile ohne Spüle oder Kühlschrank. Im hinteren Teil gibt es einen engen Schlafbereich. Ulrich hat die Möbel auf Hüfthöhe herabgesetzt, damit der Blick auf die Außenwände fällt – ein alter Architekten-Trick.

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Ulrich nennt seine Hütte „Malgafutura“ – Hütte der Zukunft. Er will zeigen, dass ein autarkes Leben möglich ist. Er hat keine Stromversorgung, nur eine kleine Solarzelle für sein Handy. Fließendes Wasser gibt es nur an Quellen, die im Winter oft zugefroren sind. Dann schmilzt er Schnee. Er hat kein Bad, nur ein Kompost-Klo. „Der Körper reinigt sich von selbst“, sagt er.

Seine Kleidung ist überschaubar: ein paar Wollpullover, Hemden, Hosen. Vieles wurde ihm geschenkt. Er kauft keine Kleidung mehr. Auch beim Essen ist er autark: Er pflanzt Kartoffeln und Obstbäume, sammelt Wildkräuter wie Brennnessel, Schafgarbe und Löwenzahn. Sein Heu mäht er mit der Sense und nutzt es als Baustoff und Matratze.

Ulrich sagt, Berlin habe ihn müde gemacht: Termine, Verpflichtungen, Rechnungen. Er erinnert sich an seine Großeltern, die einfach lebten, aber glücklich waren. „Sie haben nie gejammert“, sagt er. Auf der Alm will er herausfinden, was ein Mensch wirklich braucht.

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