Botox gegen Depression: Psychiater erklärt Wirkung und Risiken
Botox gegen Depression: Psychiater erklärt Wirkung

Botox, bekannt als Mittel gegen Falten, könnte auch bei Depressionen helfen. Prof. Dr. Tillmann Krüger von der Medizinischen Hochschule Hannover hat in Studien gezeigt, dass Botox-Injektionen die Symptome einer Depression deutlich lindern können. „Die Schwere der Symptome lässt sich halbieren“, erklärt der Psychiater. Das Nervengift Botulinumtoxin lähmt nicht nur Muskeln, sondern beeinflusst auch Emotionen.

Wie Botox auf die Psyche wirkt

Krüger forscht seit Jahren zu den Zusammenhängen zwischen Botox und Emotionen. Die Injektionen entspannen die Gesichtsmuskulatur, was wiederum die Rückkopplung zwischen Mimik und Stimmung verändert. „Wenn wir lächeln, signalisiert das Gehirn: Mir geht es gut. Bei Botox wird diese Rückmeldung gedämpft, was negative Emotionen abschwächen kann“, so der Experte. Dies erkläre, warum Botox bei Depressionen helfen könne.

Botox: Mehr als nur ein Faltenmittel

Botox wird bereits gegen Migräne, Muskelkrämpfe, Spastiken, Reizblase, Zähneknirschen und übermäßiges Schwitzen eingesetzt. Die neue Anwendung bei Depressionen basiert auf der Idee, dass die Lähmung der Stirn- und Augenmuskulatur die Fähigkeit verringert, negative Gefühle wie Wut oder Trauer auszudrücken. „Das Gehirn interpretiert die entspannte Mimik als Wohlbefinden und reduziert die depressive Stimmung“, erläutert Krüger.

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Risiken und Nebenwirkungen

Trotz der vielversprechenden Ergebnisse warnt Krüger vor unkontrolliertem Einsatz. Botox ist ein starkes Nervengift, das bei falscher Anwendung zu Lähmungen oder Atemproblemen führen kann. „Die Behandlung sollte nur von erfahrenen Ärzten durchgeführt werden“, betont er. Zudem sei die Wirkung nicht bei allen Patienten gleich: „Manche sprechen gut an, andere gar nicht.“

Studienlage und Ausblick

Krügers Studien zeigen, dass die Symptome bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Depression nach Botox-Injektionen um bis zu 50 Prozent zurückgingen. Die Effekte hielten etwa drei bis sechs Monate an. Der Psychiater hofft, dass Botox künftig als ergänzende Therapie bei Depressionen eingesetzt werden kann, insbesondere wenn herkömmliche Behandlungen nicht anschlagen. „Es ist kein Wundermittel, aber eine wertvolle Option“, so Krüger.

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