CAR-T-Zelltherapie: Erfolge bei Blutkrebs und Hoffnung für solide Tumore
Die CAR-T-Zelltherapie hat in den vergangenen Jahren spektakuläre Erfolge bei der Behandlung von Blutkrebs erzielt. Rund 50 Prozent der Lymphom-Patienten erreichen eine Langzeitremission oder Heilung – das bedeutet, es sind keine Anzeichen der Erkrankung mehr nachweisbar. Doch wie sieht es bei soliden Tumoren aus, etwa Brust-, Prostata- oder Eierstockkrebs? Antonia Busse, Onkologin an der Charité Berlin, ist überzeugt: „Ich glaube, dieser immense Erfolg hat das Feld noch mal angestoßen. Es gibt im Moment so viele Entwicklungen auf ganz unterschiedlichen Ebenen, sodass ich fest davon überzeugt bin, dass wir auch dort Fortschritte erzielen werden.“
Studie an der Charité: T-Zelltherapie gegen solide Tumore
An der Charité läuft eine Studie, die eine zelluläre Therapie gegen solide Tumore testet. Die Therapie richtet sich gegen ein Antigen namens PRAME, das in vielen Tumorarten vorkommt, aber nur in wenigen gesunden Geweben wie dem Hoden. „Diese Studie ist für viele Patienten mit ganz unterschiedlichen Tumorerkrankungen geeignet“, erklärt Busse. Teilnehmen können Patienten mit Melanomen, einschließlich schwer behandelbarer Aderhautmelanome, sowie mit gynäkologischen Tumoren wie Eierstock- oder Gebärmutterkrebs.
Ziel der frühen klinischen Studie ist es, die Sicherheit der Therapie zu demonstrieren. „Aber man möchte bei diesen ganz frühen Studien nicht nur zeigen, dass sie sicher sind, sondern auch schon erste Daten zur Effektivität sehen“, so Busse. Erste Ergebnisse zeigen „wirklich gute und teilweise auch lang anhaltende Ansprechraten“. Die Forscher hoffen, dass die Therapie auch bei soliden Tumoren zu einer längeren Remission und therapiefreien Zeit führt – ein „immenser Gewinn für die Patienten“.
Vom Labor zur Klinik: Der lange Weg einer neuen Zelltherapie
Die Arbeitsgruppe um Antonia Busse hat einen neuen mutationsspezifischen T-Zell-Rezeptor für Lymphomerkrankungen entwickelt. „Angefangen hat alles mit der Arbeit eines Doktoranden, der die gesamte Laborarbeit gemacht hat“, erinnert sich Busse. Nach erfolgreichen Tests im Reagenzglas und im Mausmodell stand fest: „Das muss man in die Klinik bringen.“
Doch der Weg dorthin ist steinig. Zunächst ist ein Genehmigungsprozess beim Paul-Ehrlich-Institut (PEI) nötig. In sogenannten „Scientific Advice Meetings“ bewertet das PEI die präklinischen Daten. „Die haben das positiv bewertet. Da wussten wir, dass es sich lohnen könnte, weiterzumachen“, sagt Busse. Der nächste Schritt: die Etablierung der Produktion der Zelltherapie unter strengen Sicherheitsauflagen – ein langwieriger und teurer Prozess, der Fördergelder in Millionenhöhe erfordert.
Kosten und Zeitaufwand: Über 4,5 Millionen Euro und Jahre der Vorbereitung
Eine Zelltherapiestudie ist extrem kostenintensiv. „Wir sind bei über 4,5 Millionen Euro“, beziffert Busse die Kosten. Um diese Summe zu stemmen, müssen mehrere Fördermittelgeber eingebunden werden. Hinzu kommt der immense personelle Aufwand: Ein klinisches Team schreibt ein hunderte Seiten starkes Studienprotokoll, das bei der zuständigen Behörde (in Berlin beim Lageso) eingereicht wird. Ein Produktionsteam, Biostatistiker, ein Monitoring-Team und Patientenvertreter sind ebenfalls beteiligt.
Der Zeitrahmen ist lang: Nach den ersten Laborarbeiten 2014 dauerte die Beantragung von Fördermitteln fast anderthalb Jahre. „Man stellt erst einen kleineren Vorantrag, und wird der für gut befunden, stellt man den Hauptantrag. Dann sagen internationale Gutachter: Das ist ein Projekt, für das wir eine Förderempfehlung aussprechen“, erklärt Busse. Weitere anderthalb Jahre vergehen, bis die Produktion vor Ort etabliert ist. „Wenn alles optimal läuft, brauchen sie ungefähr weitere anderthalb Jahre“, so Busse. Doch sie hofft, dass die Zeitspanne von der Beantragung bis zur Umsetzung künftig auf etwa anderthalb Jahre verkürzt werden kann, sobald die Infrastruktur ausgebaut ist.
Motivation: Die Faszination, das eigene Immunsystem zu nutzen
Trotz der langen und aufwendigen Prozeduren schöpft Antonia Busse ihre Motivation aus der täglichen Arbeit mit Patienten. „Man will es einfach besser machen. Man will für mehr Patienten eine Langzeitremission erreichen oder sie gar heilen.“ Die Faszination, den eigenen Körper und das Immunsystem für die Therapie zu nutzen, begleitet sie seit dem Studium. „Und es ist die Neugier und der Ehrgeiz, etwas auf den Weg zu bringen, etwas Neues“, ergänzt sie. Rückschläge gab es auch: „Als ich in der Klinik anfing, wurde die Immuntherapie belächelt. Auf einmal kamen die ersten großen Erfolge mit Zelltherapien, und das hat einen riesigen Schub gegeben. Das spornt an.“



