Carsten Linnemann, bisher CDU-Generalsekretär, wird neuer Gesundheitsminister und folgt auf Nina Warken, die ins Kanzleramt wechselt. Der 1977 in Paderborn geborene Diplom-Kaufmann und promovierte Volkswirt ist seit 2009 Mitglied des Bundestages und vertritt konservative, wirtschaftsliberale Positionen. Bekannt ist er für seine harte Linie in der Migrations- und Sozialpolitik sowie für seine Forderung nach einem härteren Kurs beim Bürgergeld.
Werdegang und Ausbildung
Carsten Linnemann wurde am 10. August 1977 als Sohn römisch-katholischer Buchhändler in Paderborn geboren. Nach dem Abitur 1997 leistete er Wehrdienst in Augustdorf (NRW) und arbeitete ein Jahr im elterlichen Buchhandel. Ab 1999 studierte er Betriebswirtschaftslehre an der Fachoberschule der Wirtschaft in Paderborn und schloss 2002 als Diplom-Kaufmann ab. Anschließend war er wissenschaftlicher Mitarbeiter und Lehrbeauftragter an der TU Chemnitz, wo er 2006 in Volkswirtschaftslehre promovierte.
Beruflicher Werdegang
Nach der Promotion arbeitete Linnemann als Volkswirt bei der Deutschen Bank Research und als Assistent des Chefökonomen Norbert Walter. Von 2007 bis 2009 war er Volkswirt bei der IKB Deutsche Industriebank, spezialisiert auf Konjunktur und Mittelstand.
Politische Karriere
Linnemann war bereits in der Jugend politisch aktiv: Von 1997 bis 2001 Vorsitzender der Jungen Union Egge. Seit 2009 sitzt er für den Wahlkreis Paderborn im Bundestag. 2009 trat er dem Parlamentskreis Mittelstand bei und war 2009–2013 stellvertretender Vorsitzender der Jungen Gruppe. 2013 wurde er Bundesvorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) mit 71,1 Prozent der Stimmen. Seitdem ist er Mitglied des CDU-Bundesvorstands. 2018–2021 war er stellvertretender Fraktionsvorsitzender für Wirtschaft, Mittelstand und Tourismus. 2022–2024 war er stellvertretender Parteivorsitzender und leitete die Programm- und Grundsatzkommission. Im Juli 2023 ernannte ihn Friedrich Merz zum CDU-Generalsekretär.
Politische Positionen
Linnemann lehnt neue Schulden ab: „Neue Schulden, die die Inflation anheizen, sind mit der CDU nicht zu machen“, sagte er 2024 im „Bericht aus Berlin“. Er fordert steuerliche Begünstigung von Überstunden und brachte 2024 das Konzept der „Aktiv-Rente“ ein: steuerfreies Einkommen bis 2000 Euro monatlich für Rentner, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. In der Migrationspolitik plädiert er für eine Verschärfung des Asyl- und Aufenthaltsrechts und forderte Ende 2024 die Abschaffung des Aufenthaltsrechts für wiederholt straffällige Asylbewerber. Zudem spricht er sich für Abkommen mit Drittstaaten zur Abschiebung von Straftätern aus. Beim Bürgergeld sagte er im Interview mit unserer Redaktion: „Leistungskürzungen um zehn, 20 oder 30 Prozent reichen da nicht. Dann muss die Grundsicherung komplett gestrichen werden.“ Besonders kritisch sieht er das Bürgergeld für ukrainische Geflüchtete: „Es fehlen ganz klar Anreize für eine rasche Arbeitsaufnahme.“
Kontroversen und Kritik
Linnemanns Forderungen stießen auf heftige Kritik, auch aus den Reihen der eigenen Partei. Der stellvertretende CDA-Vorsitzende Dennis Radtke sagte der „Süddeutschen Zeitung“: „Wir dürfen uns als Union thematisch nicht eindimensional aufstellen.“ Sein Buch „Der politische Islam gehört nicht zu Deutschland“ (2019) rief Debatten hervor; NRW-Integrationsstaatssekretärin Serap Güler kritisierte in der „Rheinischen Post“, seine Argumentation sei schwach und der Begriff „politischer Islam“ nicht ausreichend definiert. Im Dezember 2024 forderte Linnemann im Deutschlandfunk ein „Register für psychisch kranke Gewalttäter“ nach dem Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt. Die Depressionsliga warf ihm vor, psychisch Kranke pauschal zu stigmatisieren. Zur gesetzlichen Krankenversicherung sagte er einmal: „Ich finde, zehn Krankenkassen in Deutschland reichen.“
Privatleben
Linnemann ist verheiratet, hält sein Privatleben aber weitgehend aus der Öffentlichkeit heraus. Zu seinen Hobbys gehören Skat, Fußball und Joggen. Auf seiner Website betont er: „In Schwaney und Paderborn bin ich auch heute noch zu Hause. Hier leben meine Familie und Freunde.“



