Die Dermatologin Julia Welzel, Expertin für Hautkrebs, äußert sich klar zu ästhetischen Eingriffen: „Falten weglasern oder Hyaluron spritzen ist Lifestyle und nicht Medizin.“ Im Interview mit dem Tagesspiegel spricht sie über Sonnenbrände der Kindheit, das schlimmste Drogerieprodukt und den Megatrend Schneckenschleim.
Der richtige Sonnenschutz für den Rücken
Auf die Frage, wie man sich den Rücken selbst eincremen kann, rät Welzel zu einem Trick: „Ich habe findige Patienten, die einen Kochlöffel mit einem Waschlappen umwickeln.“ Die beste Lösung sei jedoch, sich Hilfe zu suchen – etwa durch Urlaubsbekanntschaften. „Wenn das alles nicht geht, sollte man lieber sein T-Shirt anbehalten.“
Männer und Frauen: Unterschiedliche Hauttypen
Auf die Beobachtung, dass manche Menschen das Eincremen lieben, andere hassen, antwortet Welzel: „Ja. Wir nennen sie Frauen und Männer.“ Sie räumt ein, dass es Ausnahmen gebe, erklärt aber die physiologischen Unterschiede: „Frauen haben oft dünnere, trockenere und empfindlichere Haut, was unter anderem daran liegt, dass sie weniger Talg produzieren.“ Ein wesentlicher Grund, warum Männer sich ungern eincremen, sei die Körperbehaarung: „Das fühlt sich einfach anders an, und die Cremes ziehen nicht so gut ein.“
Kritik an Drogerieprodukten und Trends
Welzel äußert sich auch zu populären Hautpflegetrends. Melkfett, ein traditionelles Fettprodukt, hält sie für problematisch: „Es verstopft die Poren und kann zu Entzündungen führen.“ Den Hype um Schneckenschleim, dem anti-aging-Eigenschaften nachgesagt werden, betrachtet sie skeptisch: „Die wissenschaftliche Evidenz ist dünn. Es gibt wirksamere und günstigere Alternativen.“
Sonnenbrände in der Kindheit als Risikofaktor
Welzel betont die Langzeitfolgen von Sonnenbränden: „Schon ein einziger schwerer Sonnenbrand in der Kindheit verdoppelt das Risiko für schwarzen Hautkrebs.“ Sie appelliert an Eltern, Kinder konsequent zu schützen. „Sonnencreme allein reicht nicht – auch Kleidung und Schatten sind wichtig.“
Fazit: Medizin versus Lifestyle
Die Dermatologin grenzt medizinisch notwendige Behandlungen klar von ästhetischen Wünschen ab: „Botox oder Hyaluron sind keine medizinischen Notwendigkeiten, sondern Lifestyle-Entscheidungen.“ Sie rät, bei Hautproblemen immer einen Arzt aufzusuchen, statt zu Selbstmedikation oder trendigen Produkten zu greifen.



