Nach der Ermordung des französischen Geschichtslehrers Samuel Paty durch einen Islamisten fordert der Deutsche Lehrerverband eine bundesweite Bestandsaufnahme zum Umgang mit islamistischen Tendenzen an Schulen. Verbandschef Heinz-Peter Meidinger schlug eine anonymisierte Umfrage unter allen Lehrkräften vor.
Der Verband, der nach eigenen Angaben 160.000 Lehrkräfte vertritt, spricht von einem Tabuthema. Viele Lehrer äußerten sich nicht offen, weil sie sich der Rückendeckung durch Schulleitung und Politik nicht sicher seien. Meidinger zeigte sich erschüttert über interne E-Mails im Kollegium von Samuel Paty, die belegten, dass Kollegen dem Mordopfer in den Rücken gefallen seien.
Meidinger bemängelte fehlende Unterstützungsangebote für Schulen und Pädagogen durch ausgebildete Experten. Er sprach sich für die Einrichtung von Ombudsstellen aus, an die sich betroffene Lehrkräfte vertraulich wenden könnten.
Die Ermordung Patys hatte auch in Deutschland Diskussionen über den Umgang mit muslimischen Schülern aus streng konservativen oder extremistischen Elternhäusern ausgelöst. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) forderte, entschlossen gegen Islamismus vorzugehen, etwa im Schwimm- und Sportunterricht sowie im Geschichtsunterricht, wo der Holocaust thematisiert werden müsse.



