Krankmeldung ab 1. Tag: Studie sieht ganz anderes Problem
Krankmeldung ab 1. Tag: Studie sieht anderes Problem

Die schwarz-rote Koalition plant eine Verschärfung der Regeln für Krankmeldungen: Künftig soll der gelbe Schein bereits am ersten Krankheitstag Pflicht werden, die telefonische Krankschreibung soll entfallen. Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) begründet den Vorstoß mit dem Ziel, den Krankenstand zu senken. Doch neue Zahlen des Dachverbands der Betriebskrankenkassen (BKK) stellen diese Begründung infrage.

Milliardenkosten durch Langzeiterkrankungen

Laut der BKK-Analyse entstehen die eigentlichen Milliardenkosten nicht durch kurze Krankheitsperioden, sondern durch langwierige Erkrankungen. „Es sind die langen, oft Muskel-Skelett- und psychisch bedingten Ausfälle, die zum eigentlichen Kostentreiber werden“, sagt BKK-Vorständin Anne-Kathrin Klemm (59). Besonders deutlich wird dies beim Krankengeld: Es wird erst ab dem 43. Krankheitstag gezahlt und kostet die gesetzlichen Krankenkassen inzwischen 21,6 Milliarden Euro jährlich. Mehr als ein Viertel aller Fehltage entfiel 2025 bereits auf Krankengeld, die Zahl der Krankengeldtage stieg binnen zehn Jahren um 24,4 Prozent.

Psychische Erkrankungen als Hauptkostentreiber

Vor allem psychische Erkrankungen schlagen dabei zu Buche. Sie machen zwar nur 5,4 Prozent aller Krankschreibungen aus, dauern im Durchschnitt aber mehr als fünf Wochen. Auch eine weitere Zahl passt schlecht zu den Plänen der Regierung: Der Krankenstand lag 2025 mit 6,1 Prozent stabil. Zwar waren Atemwegserkrankungen die häufigste Ursache für Krankschreibungen – wegen ihrer kurzen Dauer fallen sie laut BKK finanziell jedoch kaum ins Gewicht.

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Widerstand selbst in der CDU

Selbst aus der CDU wächst der Widerstand gegen die Reform. Dennis Radtke (47), Vorsitzender des CDU-Arbeitnehmerflügels CDA, warnt davor, kranke Beschäftigte unter Generalverdacht zu stellen. „Es darf nicht der Eindruck entstehen, die Menschen seien zu faul“, sagt er im ZDF-„Morgenmagazin“. Radtke befürchtet sogar einen gegenteiligen Effekt der geplanten Verschärfung. Ihn erreiche die Sorge, dass Beschäftigte, die heute vielleicht einen Tag fehlten, künftig gleich drei oder fünf Tage ausfallen könnten. CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann (51) sagt mit Blick auf die anstehende Gesetzgebung, das Verfahren solle „maximal flexibel und maximal praxistauglich“ ausgestaltet werden. „Niemand muss mit Fieber zum Arzt.“

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