Krankschreibung ab Tag eins: Regierung will Fehlzeiten senken
Die Bundesregierung plant mit ihrem Reformpaket eine verpflichtende Krankschreibung bereits ab dem ersten Krankheitstag, um die hohen Krankenstände in Deutschland zu reduzieren. Diese Maßnahme hat eine intensive Debatte ausgelöst. Doch eine aktuelle Analyse des BKK Dachverbandes der Betriebskrankenkassen zeigt, dass die wahren Kostentreiber nicht die kurzen Erkältungen sind, sondern langwierige und schwere Erkrankungen.
BKK-Analyse: Lange Ausfälle dominieren Kosten
Der BKK Dachverband, der 63 Kassen und vier Landesverbände mit rund 9,6 Millionen Versicherten vertritt, hat die Krankschreibungen unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: „Es sind die langen, oft Muskel-Skelett und psychisch bedingten Ausfälle, die zum eigentlichen Kostentreiber werden“, sagte Anne-Kathrin Klemm, Vorständin des BKK Dachverbandes. Insbesondere das Krankengeld, das erst ab dem 43. Krankheitstag gezahlt wird, sei mit 21,6 Milliarden Euro eine der größten Ausgabepositionen der gesetzlichen Krankenversicherung.
Krankengeldtage steigen drastisch
Im Jahr 2025 entfielen mehr als ein Viertel aller Fehltage auf den Bezug von Krankengeld. Die Krankengeldtage sind in den vergangenen zehn Jahren um 24,4 Prozent gestiegen. Haupttreiber sind psychische Erkrankungen und Muskel-Skelett-Leiden. Psychische Erkrankungen machen zwar nur 5,4 Prozent aller Krankschreibungen aus, dauern im Schnitt jedoch mehr als fünf Wochen an – mit steigender Tendenz.
Präventionsstrategien gefordert
Klemm fordert daher eine ernsthafte Debatte über Präventionsstrategien: „Wir beobachten den Trend der psychischen Belastungen in der Arbeitswelt schon lange. Diese Rechnung zahlen wir sonst noch viele Jahre weiter – und hinter jeder steht das lange Leiden einer betroffenen Person.“ Der Krankenstand insgesamt blieb 2025 mit 6,1 Prozent stabil. Häufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit waren Atemwegserkrankungen, die wegen ihrer kurzen Dauer finanziell kaum ins Gewicht fallen.
Koalitionspläne: Krankschreibung ab Tag eins
Die schwarz-rote Koalition hat angekündigt, die Pflicht zur Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung auf den ersten Krankheitstag vorziehen und die Möglichkeit zur telefonischen Krankschreibung abschaffen zu wollen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) begründete die Pläne mit dem Ziel, den Krankenstand zu senken. Die BKK-Analyse stellt diese Stoßrichtung jedoch infrage, da kurze Erkrankungen kaum Kosten verursachen.



