Proxima Fusion: 411 Millionen Euro Finanzierung macht Start-up zum Einhorn
Proxima Fusion: 411 Mio. Euro sichern Einhorn-Status

Das Münchner Start-up Proxima Fusion hat in einer Finanzierungsrunde unter Beteiligung von RWE und Google 411 Millionen Euro eingesammelt. Damit erreicht das Unternehmen eine Bewertung von über 2,4 Milliarden Euro und sichert sich den Status eines sogenannten Einhorns – also eines Start-ups mit einer Milliardenbewertung. Die Mittel fließen in den Bau eines Fusionsreaktors in Gundremmingen (Bayern), der bis Ende der 2030er Jahre Strom ins Netz einspeisen soll.

Bayern verdoppelt die Summe fast

Die Finanzierungsrunde ist Teil einer im Februar getroffenen Vereinbarung mit dem Freistaat Bayern. Durch das eingesammelte Kapital erfüllt Proxima Fusion die Bedingungen für weitere 400 Millionen Euro vom Freistaat. Das Gesamtvolumen beläuft sich somit auf 811 Millionen Euro. Das Unternehmen plant, bis Anfang der 2030er Jahre in Garching bei München den Demonstrationsreaktor „Alpha“ zu bauen, dessen Kosten auf zwei Milliarden Euro geschätzt werden. Um diese Summe zu stemmen, hofft Proxima Fusion auf Fördermittel des Bundes: „Wir hoffen, dass die Ausschreibung für eine entsprechende Förderung im Herbst kommt“, sagte eine Sprecherin.

Technologie: Stellarator statt Tokamak

Proxima Fusion setzt auf einen Stellarator, eine spezielle Bauform eines Fusionsreaktors. Anders als der verbreitetere Tokamak, der wie ein Donut geformt ist, nutzt der Stellarator komplex aufgebaute Magnetspulen, die das Plasma verwirbeln. Dies ermöglicht einen Dauerbetrieb, ist jedoch konstruktiv anspruchsvoller. Das Start-up vertraut auf neue Fertigungstechniken und Materialien sowie auf die Erfahrung des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik, aus dem das Unternehmen als Spin-out hervorgegangen ist. Erste Komponenten für „Alpha“ werden bereits gefertigt; der erste Magnet soll Ende 2025 fertiggestellt sein.

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Internationale Konkurrenz und hohe Erwartungen

Die Fusionsforschung war lange eine Domäne von Staaten, doch inzwischen drängen zahlreiche Start-ups mit verschiedenen Ansätzen auf den Markt. In den USA und China sind bereits Milliarden in Fusions-Start-ups geflossen. Proxima Fusion sieht sich bei der Stellarator-Technologie in einer Spitzenposition. Francesco Sciortino, Mitgründer und CEO, betont: „Diese Finanzierung zeigt, dass Deutschland und Europa in der Lage sind, internationales Kapital für strategische Zukunftstechnologien zu mobilisieren.“ Er sieht in der Fusionstechnologie das Potenzial, „eine ähnliche wirtschaftliche Bedeutung zu erlangen wie einst die Automobilindustrie“.

Fusionsenergie: Sauber und CO2-frei

Fusionsenergie beruht auf der Verschmelzung von Atomkernen, wie sie in der Sonne abläuft. Sie gilt als sauberer als Kernspaltung und verursacht keinen direkten CO2-Ausstoß. Ob sich Proxima Fusion gegen die internationale Konkurrenz durchsetzen wird, bleibt abzuwarten – Wissenschaftler jagen der Fusion bereits seit Jahrzehnten hinterher, und die Meinungen über ihren kommerziellen Durchbruch sind geteilt.

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