Bauchspeicheldrüsenkrebs zählt zu den aggressivsten Krebserkrankungen. Oft wird das Pankreaskarzinom erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt, wenn der Krebs bereits gestreut hat. Nur etwa zehn Prozent der Betroffenen überleben die ersten fünf Jahre nach der Diagnose. Nun gibt es Hoffnung: Ein neues Medikament namens Daraxonrasib könnte die Behandlung revolutionieren.
Studie zeigt verdoppelte Überlebenszeit
Forschende berichten im Fachjournal „New England Journal of Medicine“ über eine Phase-III-Studie, die die Wirksamkeit von Daraxonrasib bei metastasiertem Bauchspeicheldrüsenkrebs untersucht hat. Das Medikament hemmt mutierte Varianten eines Proteins, das das Zellwachstum und die Tumorausbreitung fördert. In der Studie wurden 500 Erkrankte entweder mit Daraxonrasib oder einer Chemotherapie behandelt. Die Ergebnisse sind beeindruckend: Patienten, die Daraxonrasib einnahmen, lebten im Mittel 13,2 Monate, während die Chemotherapie-Gruppe nur 6,6 Monate überlebte. Auch die Zeit ohne Krankheitsfortschritt war mit 7,3 Monaten mehr als doppelt so lang wie in der Vergleichsgruppe (3,5 Monate).
Weniger schwere Nebenwirkungen
Nebenwirkungen traten in beiden Gruppen auf, jedoch waren sie unter Daraxonrasib seltener schwerwiegend. Während in der Chemotherapie-Gruppe 69,6 Prozent der Patienten schwere Nebenwirkungen erlitten, waren es in der Daraxonrasib-Gruppe nur 61,8 Prozent. Zudem führten die Nebenwirkungen seltener zum Therapieabbruch: Nur 1,2 Prozent der Daraxonrasib-Patienten brachen die Behandlung ab, verglichen mit 11,2 Prozent in der Chemotherapie-Gruppe.
Zulassung in Aussicht
Die Phase-III-Studie ist die letzte Hürde vor der Zulassung eines Medikaments. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat bereits entschieden, dass Daraxonrasib in bestimmten Fällen vor der Zulassung im Rahmen eines Compassionate-Use-Programms eingesetzt werden darf. Der Hersteller Revolution Medicines plant nun, Zulassungsanträge bei der FDA und weltweit einzureichen. Thomas Seufferlein, Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin I am Universitätsklinikum Ulm und an der Studie beteiligt, zeigte sich überzeugt: „Ich bin mir sicher, dass es eine Zulassung für das Medikament geben wird.“ In Deutschland ist Daraxonrasib bisher nicht verfügbar, doch Seufferlein hofft auf eine zeitnahe Umsetzung des Compassionate-Use-Programms in Europa.
Experten begeistert
Dieter Saur, Professor für Translationale Tumorforschung an der Technischen Universität München, bezeichnet die Studie als eine der „wichtigsten klinischen Entwicklungen beim metastasierten Pankreaskarzinom seit vielen Jahren“. Er erwartet, dass Daraxonrasib zur neuen Standardoption wird. Dietrich Ruess, Leiter des Pankreaskarzinomzentrums am Universitätsklinikum Freiburg, spricht von einem „revolutionären“ Durchbruch. Auch Rachna Shroff von der Universität von Arizona nennt die Ergebnisse „bahnbrechend“. Die Fachwelt blickt gespannt auf die weiteren Schritte zur Zulassung.



