Die Zahl der Menschen, die wegen schwarzem Hautkrebs in deutschen Kliniken behandelt werden müssen, hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten nahezu verdoppelt. Im Jahr 2024 waren es rund 120.000 Patientinnen und Patienten, wie das Statistische Bundesamt berichtet. 4600 Menschen starben an den Folgen eines Melanoms – im Jahr 2004 waren es noch 2800. Die Alterung der Gesellschaft trägt maßgeblich zu diesem Anstieg bei, da die meisten Tumoren bei 65- bis 70-Jährigen diagnostiziert werden. Zudem galt direkte Sonneneinstrahlung früher oft als gesund, was besonders die Babyboomer-Jahrgänge ab 1950 einem erhöhten Risiko aussetzt.
Hoffnung durch mRNA-Technologie
Neue Therapieansätze könnten die Behandlung revolutionieren. Ein vielversprechender Kandidat ist der mRNA-Impfstoff Intismeran, der bereits aus der Corona-Pandemie bekannt ist. Die Technologie wird jedoch schon seit Jahrzehnten erforscht und soll das Immunsystem gezielt gegen Krebszellen mobilisieren. Eine aktuelle Phase-II-Studie mit 157 Patienten mit fortgeschrittenem Melanom zeigt beeindruckende Ergebnisse: In der Gruppe, die zusätzlich zur Standardtherapie geimpft wurde, sank das Risiko für einen Rückfall oder Tod um fast die Hälfte. Fernmetastasen traten sogar 59 Prozent seltener auf.
Wirkungsweise von Intismeran
Der Impfstoff wird individuell aus dem Tumorgewebe des Patienten hergestellt. Die mRNA bringt Körperzellen dazu, bis zu 34 personalisierte Tumor-Antigene zu produzieren. Dadurch wird das Immunsystem trainiert, die Krebszellen gezielt anzugreifen. „Patienten schätzen es sehr, dass aus ihrem eigenen Tumor eine individualisierte Impfung hergestellt wird“, betont Selma Urugel, Chefärztin für Dermatologie am Uniklinikum Bielefeld.
Kombination mit bestehender Therapie
Bislang kommt nach einer Operation des schwarzen Hautkrebses der Immuncheckpoint-Hemmer Pembrolizumab zum Einsatz. Dieser nimmt den Abwehrzellen die Bremse, sodass sie Krebszellen besser erkennen und angreifen können. Allerdings kann es dabei auch zu Angriffen auf gesundes Gewebe kommen. Intismeran könnte künftig in Kombination mit Pembrolizumab verabreicht werden. „Nach aktueller Studienlage wäre Intismeran der erste Partner, der in der Kombinationstherapie einen Vorteil beim Melanom zeigt“, sagt Urugel. Dirk Schadendorf vom Universitätsklinikum Essen spricht von einem „neuen Meilenstein“ in der Immuntherapie.
Zulassung und Kosten
Der Hersteller Moderna plant, noch in diesem Jahr Ergebnisse einer Phase-III-Studie vorzulegen. Bei Erfolg könnte die Markteinführung gemeinsam mit dem Pembrolizumab-Hersteller Merck für 2027 angestrebt werden. Es wäre der erste Zulassungsantrag für einen Krebsimpfstoff auf Basis individualisierter mRNA-Immunisierungen. Die Experten gehen von einer reibungslosen Zulassung in den USA und Europa aus. Allerdings sind die Kosten hoch: Diskutiert werden über 300.000 Euro pro Patient. Carola Berking, Direktorin der Hautklinik am Universitätskrankenhaus Erlangen, erklärt: „Für jeden Patienten müsste individuell Tumorgewebe gewonnen und versendet und der Impfstoff hergestellt werden. Die komplexe Logistik und die strengen Herstellungsrichtlinien machen die Therapie sehr teuer.“ In Deutschland kämen theoretisch rund 6000 Patienten pro Jahr für diese Therapie infrage.
Ausblick
Trotz der hohen Kosten sehen Fachleute einen großen Nutzen. „Eine rasche Zulassung und Verfügbarkeit von Intismeran bei positiven Ergebnissen der Phase-III-Studie ist sinnvoll und wünschenswert“, sagt Selma Urugel. Wenn die Therapie erfolgreich ist, könnten in Zukunft viele Todesfälle durch schwarzen Hautkrebs verhindert werden.



