NADA-Expertin verteidigt nächtliche Dopingkontrollen bei Tour de France
NADA-Expertin verteidigt nächtliche Dopingkontrollen

Bei der Tour de France sorgten nächtliche Dopingkontrollen für hitzige Diskussionen. Topfahrer wie Jonas Vingegaard und Tadej Pogacar wurden in den frühen Morgenstunden aus dem Schlaf gerissen, um Proben abzugeben. Vingegaard stürzte später schwer und musste die Rundfahrt aufgeben, was die Wut im Fahrerfeld weiter anheizte. Ex-Stars sprachen gar von Menschenrechtsverletzungen. Doch die Kontrollen sind regelkonform, betont Eva Bunthoff von der Nationalen Anti Doping Agentur Deutschland (NADA) im Interview.

Warum sind nächtliche Kontrollen notwendig?

Bunthoff erklärt, dass der Welt-Anti-Doping-Code die Durchführung von Dopingkontrollen in der Nacht grundsätzlich erlaubt. „Die Kontrollen sind wichtig, um potenziellen Dopern zu signalisieren: Es gibt keine freien Zeiten, die Kontrollbehörden können eben nicht nur zwischen 6 und 23 Uhr kommen“, so die NADA-Expertin. Der Radsport habe eine lange Doping-Geschichte, in der Nachtzyklen ausgenutzt wurden – etwa durch Insulin-Gaben, die sonst lebensgefährlich sein können.

Die Kontrollen erfolgen auf Basis einer richterlichen Genehmigung und erfordern „schwerwiegende und übereinstimmende Verdachtsmomente“. Bunthoff ist überzeugt, dass die International Testing Agency (ITA) die Durchführung sorgfältig geprüft hat. „Es wurden Athleten kontrolliert, die vorne mitfahren, da gibt es viele Punkte in der Kontrollplanung, die begründen, warum man eine Dopingkontrolle ansetzen kann“, sagt sie. Die Verhältnismäßigkeit müsse jedoch gewahrt bleiben: „Den Athletinnen und Athleten wird viel abverlangt. Da muss die Verhältnismäßigkeit gewahrt werden.“

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Sturz von Vingegaard: Zusammenhang mit Nachtkontrolle?

Nach dem folgenschweren Sturz von Jonas Vingegaard wurde spekuliert, ob die nächtliche Kontrolle um 2 Uhr seinen Schlaf gestört und damit zum Crash beigetragen haben könnte. Bunthoff möchte dazu keine Stellung nehmen: „Ich kann das ehrlich gesagt gar nicht kommentieren. Mir fehlen zu der Kontrolle die relevanten Fakten und der Kontext.“

Sie betont jedoch, dass die Kontrollen Teil eines strengen Systems sind, das sauberen Sportlern die Möglichkeit gibt, ihre Reinheit zu demonstrieren. „Als Sportler, wenn ich mich diesem strengen Kontrollsystem unterwerfe, kann ich sagen: Schaut her, ich bin sauber. Ich lasse mich jederzeit testen“, so Bunthoff.

Effektivität von Nachtkontrollen im Kampf gegen Doping

Auf die Frage, ob sich das nächtliche Zeitfenster tatsächlich zum Dopen eignet, antwortet Bunthoff klar: „Ja, es gibt Substanzen mit sehr kurzen Nachweiszeiten, die große Wirkungen haben.“ Sie erklärt: „Wenn ich eine perfekte Anleitung für das Dopen schreiben würde, dann würde ich sagen: den Trainingszyklus ausnutzen und im Wettkampf keine Einnahme verbotener Substanzen. Da lassen sich die besten Effekte erzielen.“ Deshalb seien Trainingskontrollen essenziell, aber auch Nachtkontrollen sinnvoll, um die Lücken zu schließen.

Die Kontrollen würden jedoch nur unter Beachtung der Verhältnismäßigkeit und mit Begründung durchgeführt. „Es gibt verschiedene Kriterien, eine Risikobewertung darüber, wann eine Kontrolle sinnvoll ist und wann nicht. Und dann ist der Zeitpunkt nachts natürlich immer auch ein Überraschungseffekt. Und den hat man hier auf jeden Fall gesetzt“, sagt Bunthoff.

Pauschalverdacht gegen Radsportler?

Trotz der enormen Leistungssteigerungen im Radsport – verglichen mit den Jahren des systemischen Dopings – sieht Bunthoff keinen Pauschalverdacht mehr. „Nein. Die Maßnahmen seit damals wurden enorm verbessert“, stellt sie klar. Allerdings seien „besonders große Leistungssprünge und außergewöhnliche Leistungen in der Kontrollplanung immer ein Thema“. Gleiches gelte für überraschende Leistungseinbrüche. Die Kontrollen dienten dazu, auch diese Risiken abzudecken.

Mit Eva Bunthoff sprach Tobias Nordmann

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