Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen: Studie entdeckt neue Spur bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa
Eine aktuelle Studie liefert neue Erkenntnisse zu chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Forscher haben bei einem Teil der Menschen mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa eine auffällige Immunreaktion entdeckt. Die Ergebnisse könnten neue Einblicke in die Entstehung der Erkrankungen geben.
So wurde die Studie durchgeführt
Für die Studie analysierten Wissenschaftler der Universität Oxford gemeinsam mit Kollegen aus Newcastle und Cambridge Blut- und Genetikdaten von 4909 Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen sowie 1006 gesunden Personen. Im Mittelpunkt stand Interleukin-10 (IL-10), ein Botenstoff des Immunsystems, der Entzündungen begrenzen soll – eine Art „Entzündungsbremse“. Die Wissenschaftler suchten nach Autoantikörpern gegen IL-10. Dabei handelt es sich um Antikörper, die sich gegen körpereigene Strukturen richten.
Wenn die „Entzündungsbremse“ gestört ist
Die Forscher fanden die Autoantikörper bei 173 Patienten. Weitere Analysen deuteten darauf hin, dass sie die Schutzfunktion von IL-10 beeinträchtigen könnten. Bei Betroffenen war weniger von dem entzündungshemmenden Botenstoff nachweisbar, gleichzeitig fanden sich Hinweise auf eine stärkere Entzündungsaktivität. Besonders interessant: Die Wirkung dieser Autoantikörper ähnelt einer seltenen angeborenen Form chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen. Dort führen genetische Defekte dazu, dass das IL-10-System nicht richtig funktioniert. Bei den nun identifizierten Patienten war das Gen selbst jedoch nicht gestört. Stattdessen könnten die Autoantikörper die Wirkung des Botenstoffs blockieren.
Verbindung zu einer Genvariante
Besonders auffällig war der Zusammenhang mit der Genvariante „HLA-DRB1*01:03“, einem bekannten Risikofaktor für Colitis ulcerosa. Träger dieser Variante entwickelten deutlich häufiger die nachgewiesenen Autoantikörper. Offenbar gibt es eine klar abgrenzbare Gruppe von Patienten, bei denen Gene und ein fehlgeleitetes Immunsystem zusammenwirken. Allerdings beweist die Studie nicht, dass die Autoantikörper die Krankheit auslösen. Unklar bleibt, ob die Autoantikörper zur Erkrankung beitragen oder erst infolge der Entzündung entstehen. Zudem wurden sie nur bei einem kleinen Teil der Patienten gefunden. Dennoch sehen die Forscher in den Ergebnissen einen wichtigen Hinweis auf bislang wenig verstandene Krankheitsmechanismen.



