Menschen mit Panikstörung könnten von einer Methode profitieren, die auf den ersten Blick widersprüchlich wirkt: Statt Herzrasen, Atemnot oder Schwitzen zu vermeiden, werden genau diese Symptome gezielt ausgelöst. Eine brasilianische Studie zeigt, dass intensive Intervalleinheiten wie Sprints die Beschwerden stärker senken konnten als ein klassisches Entspannungstraining.
Bessere Werte durch Intervalltraining
An der Studie der Universität von São Paulo nahmen 72 untrainierte Erwachsene mit diagnostizierter Panikstörung teil. Sie wurden per Zufall in zwei Gruppen eingeteilt. Eine absolvierte über zwölf Wochen dreimal pro Woche ein Intervalltraining mit kurzen Sprints, die andere ein Entspannungstraining nach Jacobson (gezieltes An- und Entspannen von Muskelgruppen).
Das Ziel des Sportprogramms war, körperliche Reaktionen hervorzurufen, die einer Panikattacke ähneln – etwa Herzrasen, Kurzatmigkeit oder Schwitzen. Die Forscher wollten prüfen, ob sich die Teilnehmer an diese Empfindungen gewöhnen und sie weniger bedrohlich wahrnehmen.
Gemessen wurden die Beschwerden mit der „Panic and Agoraphobia Scale“ (PAS), einer offiziellen Skala zur Messung von Panik- und Angstsymptomen. Nach zwölf Wochen erreichte die Sportgruppe im Durchschnitt 14,9 Punkte, die Entspannungsgruppe 23,1 Punkte. Niedrigere Werte stehen für geringere Beschwerden.
Auch Monate nach Ende des Programms blieb der Effekt bestehen. Der PAS-Wert der Sportgruppe sank sogar leicht weiter auf 14,2 Punkte. In der Entspannungsgruppe stieg er dagegen wieder auf 24,7 Punkte an.
Weniger Panikattacken
Bei der Zahl der Panikattacken schnitt die Sportgruppe ebenfalls besser ab. Nach 24 Wochen berichteten die Teilnehmer im Durchschnitt von 0,7 Panikattacken im jeweiligen Messzeitraum. In der Entspannungsgruppe lag der Wert bei 1,5.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Menschen mit Panikstörung profitieren können, wenn sie angstauslösende Körpersignale unter kontrollierten Bedingungen erleben, statt sie zu vermeiden. Allerdings hat die Studie Grenzen: Das Intervalltraining wurde nicht mit der kognitiven Verhaltenstherapie verglichen, die als Standardbehandlung gilt. Zudem war die Untersuchung mit 72 Teilnehmern relativ klein und umfasste ausschließlich untrainierte Erwachsene. Weitere Studien sollen nun klären, wie gut sich die Ergebnisse auf andere Patientengruppen übertragen lassen.



