Viele pflegebedürftige Menschen in Deutschland bekommen nicht die notwendige zahnärztliche Vorsorge. Das zeigt eine Untersuchung der Krankenkasse Barmer, die der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag vorlag. Besonders gravierend sind die Defizite in Pflegeheimen, die keinen Kooperationsvertrag mit Zahnärzten haben.
Barmer-Daten offenbaren große Lücken
Im Jahr 2024 stellten Zahnärzte bundesweit bei etwas mehr als einem Viertel der bei der Barmer versicherten Pflegeheimbewohner den Mundgesundheitsstatus fest und erstellten einen Mundgesundheitsplan. Rund 80 Prozent dieser Vorsorgeleistungen wurden in Pflegeheimen erbracht, die Kooperationsverträge mit Zahnärzten abgeschlossen hatten. Solche Verträge gab es jedoch nur in weniger als der Hälfte aller Pflegeheime. Auf Einrichtungen ohne solche Vereinbarungen entfielen lediglich zwei Prozent der durchgeführten Untersuchungen. Die Barmer rät Heimbetreibern daher dringend, solche Verträge abzuschließen.
Positive Entwicklung, aber noch unzureichend
Immerhin hat sich die Inanspruchnahme der Leistungen bei Heimbewohnern von 2019 bis 2024 etwa verdoppelt – auf jeweils über 25 Prozent. Bei ambulant Pflegebedürftigen blieb die Quote jedoch auf niedrigem Niveau von rund drei Prozent. Das bedeutet: Wer zu Hause gepflegt wird, hat noch seltener Zugang zur zahnärztlichen Vorsorge.
Starke regionale Unterschiede
Die Krankenkasse stellte erhebliche regionale Unterschiede fest. Bei stationär Pflegebedürftigen reichte die Inanspruchnahme der Vorsorgeleistungen 2024 von 16,8 Prozent in Niedersachsen bis 45,5 Prozent in Berlin. Hamburg und Sachsen wiesen mit 42,7 beziehungsweise 42,6 Prozent vergleichsweise hohe Werte auf. Bei ambulant Pflegebedürftigen lag die Rate deutlich niedriger: Sachsen führte mit neun Prozent, während die westlichen Bundesländer unter drei Prozent blieben. Das Saarland bildete mit 1,1 Prozent das Schlusslicht. Generell sei die Inanspruchnahme zahnärztlicher Präventionsleistungen in den östlichen Bundesländern höher.
Experten fordern mehr Kooperationen
„Für stationär Pflegebedürftige ist der Besuch einer Zahnarztpraxis kaum möglich“, erklärte der Barmer-Vorstandsvorsitzende Christoph Straub. „Deshalb gibt es eine Versorgungslücke, wenn sie nicht vor Ort untersucht werden.“ Er forderte mehr Kooperationen zwischen Pflegeheimen und Zahnärzten. Auch für ambulant Pflegebedürftige sei die Situation „besorgniserregend“, sagte Reportautor Michael Walter. Zur Behebung der Defizite bestehe „Handlungsbedarf“.
Folgen mangelnder Mundgesundheit
Die Barmer nutzte für ihren Zahnreport anonymisierte Abrechnungsdaten von Versicherten ab 65 Jahren aus den Jahren 2013 bis 2024. Die Folgen mangelnder Mundgesundheit sind schwerwiegend: Mangelernährung, Gewichtsverlust und Schwäche – insbesondere für pflegebedürftige Menschen.



