Im Block-Prozess vor dem Landgericht Hamburg hat ein 42-jähriger Zeuge aus Israel ausgesagt, er fühle sich von David Barkay, dem Chef der israelischen Sicherheitsfirma, ausgenutzt. „Heute sage ich ganz klar: Der hat mich ausgenutzt“, sagte der Mann bei seiner Videovernehmung. Barkay (69) gilt laut Staatsanwaltschaft als Drahtzieher der gewaltsamen Rückholaktion der Block-Kinder aus Dänemark in der Silvesternacht 2023/24.
Hintergrund der Aktion
Die Hamburger Unternehmerin Christina Block ist angeklagt, die Sicherheitsfirma beauftragt zu haben, ihre beiden jüngsten Kinder (damals 10 und 13) vom Wohnort des Vaters in Süddänemark zu entführen. Die Tochter des Block-Gründers Eugen Block bestreitet die Vorwürfe. Die Sicherheitsfirma habe auf eigene Faust gehandelt, erklärte sie. Neben Christina Block gibt es sechs weitere Angeklagte. Für alle gilt die Unschuldsvermutung.
Ablauf der Entführung
Die Kinder wurden beim Beobachten des Silvesterfeuerwerks in Gråsten (Gravenstein) in einen Wagen gezerrt und nach Deutschland gebracht. Der Zeuge berichtete, Barkay habe dem Team gesagt, es handele sich um eine mit den Behörden abgestimmte Rettungsaktion. „Man habe ihm vertraut und keine Nachfragen gestellt“, so der Zeuge. Doch am Ende sei alles anders gewesen. Er sei aufgrund der Geschehnisse in Behandlung. Der 42-Jährige betonte, er habe den Kindern nie etwas Schlimmes angetan: „Ich bin ein sehr guter Vater.“
Aussagen zu Barkay
Verteidiger Ingo Bott hielt dem Zeugen seine frühere Aussage bei der Polizei vor. Dort habe der 42-Jährige gesagt, Barkay habe gezielt „einfache Leute“ für das Vorhaben ausgesucht. „Er kann andere Menschen lesen“, sagte der Zeuge über den 69-Jährigen, der nach eigenen Angaben für den Geheimdienst tätig war. Während der Rettungsaktion dachte der Zeuge: „Wir sind hier wie in einer Mossad-Operation.“
Treffen mit Christina Block
Christina Block hatte vor Gericht ausgesagt, sie habe vorher nichts von den Tatplänen gewusst. Alle mutmaßlichen Entführer, die bisher ausgesagt haben, berichteten jedoch von einem Treffen mit ihr kurz vor der Aktion. Auch der aktuelle Zeuge erwähnt einen solchen Termin, der laut seiner Aussage am 30. Dezember stattgefunden haben soll. „Sie hat gesagt: Nur ihr Israelis könnt meine Kinder zurückbringen“, wiederholte er auf Bitte der Nebenklage. Block habe sich bedankt und Gegenstände übergeben, die die Kinder an ihr früheres Leben erinnern sollten. Blocks Verteidigung bestreitet das Treffen. Anwalt Bott monierte Widersprüche bei Datum und Uhrzeit. Der Zeuge konnte sich an Details wie die Farbe einer Decke nicht erinnern.



