Anstieg der Betrugsfälle mit falschen Polizeibeamten in Hessen
Die Betrugsmasche mit falschen Polizeibeamten hat in Hessen im Jahr 2025 deutlich zugenommen. Nach Angaben des Landeskriminalamts Hessen (LKA) wurden 2024 insgesamt 357 Fälle registriert, von denen 90 aufgeklärt werden konnten. Im Jahr 2025 stieg die Zahl auf 457 Fälle, wobei 85 als aufgeklärt gelten. „Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der erfassten Fälle im Jahr 2025 damit um 100 Fälle bzw. rund 28 Prozent gestiegen“, teilte das LKA auf Anfrage mit.
Prozessauftakt in Frankfurt: Angeklagte sollen Wertsachen abgeholt haben
Vor dem Landgericht Frankfurt müssen sich zwei junge Männer im Alter von 20 und 24 Jahren verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, im Februar 2025 in Frankenthal (Rheinland-Pfalz) und Eppstein (Hessen) als Abholer für eine Bande von falschen Polizisten fungiert zu haben. Die Täter erbeuteten dabei Schmuck und Bargeld im Gesamtwert von mehreren Hunderttausend Euro.
Laut Anklage kontaktierten unbekannte Mittäter zunächst ein Ehepaar in Frankenthal und gaben sich als Polizeibeamte aus. Sie behaupteten, in der Nachbarschaft habe es einen Raubüberfall durch drei Täter gegeben. Einer der Täter sei festgenommen worden, und bei ihm habe man eine Liste mit 17 Namen gefunden – darunter auch der Name des Ehepaares. Zum Schutz ihrer Wertsforderungen sollten die Geschädigten diese an die Polizei übergeben.
Schmuck und Bargeld im Wert von über 100.000 Euro erbeutet
Das Ehepaar legte daraufhin Schmuck im Wert von mindestens 100.000 Euro, 17.000 Euro Bargeld sowie drei Bankkarten in einen Topf. Die beiden Angeklagten sollen die Wertgegenstände abgeholt und anschließend an einen bislang unbekannten Mittäter übergeben haben. Nach demselben Muster sollen die Unbekannten wenig später eine 84-jährige Frau in Eppstein kontaktiert haben. Sie gaben sich erneut als Polizeibeamte aus und forderten die Frau auf, ihre Wertsachen in einer Tasche vor der Haustür für die angebliche Polizei bereitzulegen.
Festnahme auf frischer Tat in Eppstein
Die 84-Jährige legte Goldschmuck und Krügerrand-Goldmünzen im Gesamtwert von rund 350.000 Euro vor das Haus. Als die Angeklagten die Tasche abholen wollten, nahmen Einsatzkräfte den 24-Jährigen auf frischer Tat fest. Der 20-Jährige, der im Fluchtfahrzeug gewartet haben soll, wurde ebenfalls festgenommen. Die Ermittlungen zu den Hintermännern dauern an.
Das LKA warnt vor der Betrugsmasche und rät, bei Anrufen von angeblichen Polizeibeamten misstrauisch zu sein und keinesfalls Wertsachen an unbekannte Personen zu übergeben. Im Zweifel solle man die örtliche Polizeidienststelle kontaktieren.



