Italien: 16 Jahre Haft für Landwirt nach Tod von Erntehelfer aus Indien
Italien: 16 Jahre Haft für Landwirt nach Erntehelfer-Tod

Ein Gericht in Latina, südlich von Rom, hat einen 39-jährigen Landwirt zu 16 Jahren Haft verurteilt, weil er einen indischen Erntehelfer nach einem schweren Arbeitsunfall auf dem Feld verbluten ließ. Der Fall ereignete sich im Sommer 2024 und sorgte international für Empörung. Der Landwirt wurde der vorsätzlichen Tötung für schuldig befunden.

Unfall mit fatalen Folgen

Der 31-jährige Inder Satnam Singh war bei der Arbeit auf einem Feld nahe der Gemeinde Borgo Santa Maria, etwa 60 Kilometer südlich von Rom, in eine landwirtschaftliche Maschine geraten. Die Maschine, die zum großflächigen Auslegen von Plastikfolien dient, trennte ihm den rechten Arm ab und zerquetschte seine Beine. Anstatt den Schwerverletzten ins Krankenhaus zu bringen, fuhr der Arbeitgeber ihn mit einem Lieferwagen zu seiner Unterkunft und ließ ihn dort liegen. Der abgetrennte Arm wurde in einer Obstkiste neben ihm entdeckt. Erst anderthalb Tage später, nachdem Nachbarn den Notruf alarmiert hatten, wurde Singh ins Krankenhaus eingeliefert, wo er seinen Verletzungen erlag.

Systematische Ausbeutung in der Landwirtschaft

Der Fall lenkte die Aufmerksamkeit auf die teils menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen für Wanderarbeiter in der italienischen Landwirtschaft. Nach Schätzungen sind in diesem Sektor rund 230.000 Menschen illegal beschäftigt, viele von ihnen Migranten aus Indien, Pakistan und anderen asiatischen Ländern. Sie arbeiten oft zu Stundenlöhnen von drei oder vier Euro oder noch weniger. Ein Teil der Produktion, darunter Melonen und Zucchini, landet auch in deutschen Supermärkten. Gewerkschaften sprechen von systematischer Ausbeutung, die häufig durch illegale Mittelsmänner organisiert wird, die zwischen Betrieben und Arbeitern vermitteln und einen Großteil des Lohns einbehalten.

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Urteil und Reaktionen

Die Staatsanwaltschaft hatte ursprünglich 22 Jahre Haft gefordert. Das am Mittwochabend verkündete Urteil von 16 Jahren liegt darunter, ist aber noch nicht rechtskräftig; Rechtsmittel sind möglich. Der Landwirt hatte sein Verhalten mit Panik erklärt. Singhs Frau, die mit ihm 2021 nach Italien gekommen war, sagte aus: „Ich habe den Besitzer angefleht, uns zu helfen, ich habe ihn auf Knien angefleht. Aber er hat uns vor dem Haus abgesetzt und ist weggelaufen.“ Sie hatte den Unfall miterlebt und vergeblich um Hilfe gebeten.

Auswirkungen auf die Debatte über Arbeitsbedingungen

Der Fall Satnam Singh hat die Diskussion über die Ausbeutung von Migranten in der italienischen Landwirtschaft neu entfacht. Menschenrechtsorganisationen fordern strengere Kontrollen und härtere Strafen für Arbeitgeber, die Arbeits- und Sicherheitsstandards missachten. Die italienische Regierung steht unter Druck, die Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft zu verbessern und die Rechte von Wanderarbeitern zu schützen. Die Verurteilung des Landwirts wird als wichtiges Signal gewertet, doch Kritiker bemängeln, dass Einzelfälle das systemische Problem nicht lösen. Die Nachricht wurde von der dpa verbreitet.

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