In einer scharfen Kolumne wendet sich Harald Martenstein an die Polizeipräsidentin von Lüneburg, Kathrin Schuol. Der Hintergrund: Ein Mann erschoss in Stade sechs Behördenmitarbeiter – eine Tat, die laut Martenstein durch einen besseren Datenaustausch zwischen Deutschland und der Türkei hätte verhindert werden können. Der 72-jährige Kolumnist der BILD-Zeitung stellt klar: „Sechs Menschen wären vielleicht noch am Leben, wenn unser Staat mit der Türkei gewisse Daten austauschen würde.“
Der Täter war bekannt – aber nur in der Türkei
Der mutmaßliche Täter, Fatih G., besitzt sowohl die türkische als auch die deutsche Staatsbürgerschaft. In der Türkei war er wegen eines „schweren Sexualdelikts“ vorbestraft und saß im Gefängnis. Ihm wurde zudem vorgeworfen, seine kleine Tochter sexuell missbraucht zu haben. Nach seiner Flucht aus der türkischen Haft gelangte er nach Deutschland. Auf dem Berliner Kurfürstendamm beschaffte er sich eine Schusswaffe – vermutlich über eine türkische Gang. Martenstein betont: „In Berlin ist das kinderleicht.“
Während einer Pressekonferenz nach der Tat erklärte Polizeipräsidentin Schuol über Fatih G.: „Er war nicht als Gewalttäter bekannt.“ Diese Aussage sei zum Zeitpunkt der Äußerung zwar nicht bewusst falsch gewesen, so Martenstein, doch das Gegenteil sei richtig. Die Behörden in Deutschland hatten keine Kenntnis von den Vorstrafen des Mannes, da die Türkei die entsprechenden Daten nicht weitergab.
Martensteins Vorwurf: Staatliches Versagen
Die Kolumne richtet sich direkt an Schuol: „Und was tut Deutschland? Es findet sich damit ab. Gebrauchsanweisung für Deutschland, Satz 1: Rette sich, wer kann. Finden Sie das gut, Frau Schuol? Ich finde es nicht gut.“ Martenstein macht deutlich, dass die Tragödie vermeidbar gewesen wäre – wenn Deutschland und die Türkei bei der Strafverfolgung kooperiert hätten. Der Datenaustausch zwischen beiden Ländern scheitere angeblich an der Türkei, so der Kolumnist.
Der Fall wirft grundsätzliche Fragen zur inneren Sicherheit auf. Wie kann es sein, dass ein aus der Haft ausgebrochener Sexualstraftäter ungehindert nach Deutschland einreist und dort eine Waffe erwirbt? Die Polizeipräsidentin steht nun in der Kritik, die Vorwürfe jedoch richten sich gegen die gesamte Behördenstruktur. Martenstein appelliert an die Verantwortlichen, die Zusammenarbeit mit anderen Staaten zu intensivieren, um derartige Vorfälle künftig zu verhindern.
Ein systemisches Problem
Der Fall Stade ist kein Einzelfall, sondern Symptom eines größeren Problems: Die mangelhafte Vernetzung europäischer und internationaler Strafverfolgungsbehörden. Martenstein fordert Konsequenzen: „Rette sich, wer kann – das darf nicht die Devise sein.“ Die Kolumne endet mit einem Gruß: „Hochachtungsvoll Harald Martenstein.“



