Geständnis im Palliativprozess: Angeklagter zeigt Reue
Zwei Tage vor der Urteilsverkündung hat der mutmaßliche Serientäter Johannes M. vor dem Landgericht Berlin ein umfassendes Geständnis abgelegt. Der 40-jährige Palliativarzt räumte ein, mindestens 15 schwer kranke Patienten getötet zu haben. „Ich habe Menschen getötet. Darum verzweifle ich an mir selbst“, sagte er in seinem Schlusswort. Er beginne zu begreifen, „das Ausmaß des Leids, was ich angerichtet habe“. Er könne es nicht wiedergutmachen. „Ich bitte die Hinterbliebenen in aller Form um Entschuldigung.“
Die Taten: 15 Todesfälle unter Aufsicht des Arztes
Die Staatsanwaltschaft wirft Johannes M. vor, zwischen 2017 und 2020 in einer Berliner Palliativstation mindestens 15 Patienten durch Injektionen mit tödlichen Medikamenten getötet zu haben. Bei den Opfern handelte es sich um schwer kranke Menschen, die sich in der Sterbephase befanden. Die Anklage stützt sich auf Obduktionen, Krankenakten und Zeugenaussagen. Der Arzt selbst hatte die Taten zunächst bestritten, doch im Laufe des Prozesses kamen immer mehr belastende Indizien ans Licht.
Verteidigung: Mitleid als Motiv
Die Verteidiger von Johannes M. schilderten am Montag ihre Sicht der Dinge. „Aus seiner subjektiven Sicht ging es um Mitleid“, erklärte einer der Anwälte. Der Arzt habe das Leid seiner Patienten lindern wollen, sei aber über das Ziel hinausgeschossen. Er habe geglaubt, den Sterbenden einen qualvollen Tod ersparen zu müssen. Die Verteidigung betonte, dass Johannes M. selbst unter den Taten leide und psychische Hilfe benötige. Sie plädierte auf eine milde Strafe und forderte eine Unterbringung in der Psychiatrie.
Reaktionen der Hinterbliebenen
Die Angehörigen der getöteten Patienten verfolgten das Geständnis mit gemischten Gefühlen. Einige zeigten sich erleichtert über das Eingeständnis, andere äußerten Wut und Enttäuschung. „Er hat uns unsere Liebsten genommen – das kann er nicht mit Worten wiedergutmachen“, sagte eine Hinterbliebene. Die Nebenkläger kritisierten, dass der Arzt erst nach einem Jahr Prozess gestanden habe. Sie fordern eine lebenslange Haftstrafe.
Urteil steht bevor
Das Landgericht Berlin wird voraussichtlich am Mittwoch das Urteil verkünden. Die Staatsanwaltschaft hat eine lebenslange Freiheitsstrafe beantragt. Die Verteidigung hofft auf eine milde Strafe aufgrund der Reue und der psychischen Verfassung des Angeklagten. Der Fall hat bundesweit für Aufsehen gesorgt und eine Debatte über Sterbehilfe und Palliativmedizin ausgelöst.



