Tod bei Polizeieinsatz in Bologna: Proteste und Krawalle in Italien
Tod bei Polizeieinsatz: Proteste in Bologna

In Italien ist es nach dem Tod eines 42-jährigen Marokkaners bei einem Polizeieinsatz in Bologna zu Protesten und gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen. Tausende Menschen versammelten sich in der Innenstadt von Bologna, um gegen die mutmaßliche Polizeigewalt zu demonstrieren. Die Kundgebung begann friedlich, doch im Anschluss kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei.

Proteste und Krawalle in Bologna

Nach Angaben der Rettungsdienste wurden mindestens elf Menschen verletzt, darunter sechs Polizisten und fünf Demonstranten. Zwei Verletzte mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden. Augenzeugen berichteten, dass einige Teilnehmer Flaschen und Molotow-Cocktails auf die Polizei warfen. Die Polizei setzte daraufhin Wasserwerfer und Tränengas ein. Die Fenstergitter von gepanzerten Polizeifahrzeugen wurden abgerissen.

Die Demonstranten skandierten Parolen wie „Wahrheit und Gerechtigkeit“ und „staatlicher Mord“. Die Familie des Getöteten forderte Aufklärung. Die Schwester des Toten sagte: „Ich werde keine Ruhe finden, bis mein Bruder gerächt ist. Sie haben ihn geschlagen und getötet.“ Der Anwalt der Familie verurteilte die Krawalle.

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Details zum Polizeieinsatz

Der Marokkaner war am Sonntag auf einer Straße in Bologna ums Leben gekommen. Ein von einem Nachbarn gefilmtes Video zeigt, wie er von zwei Polizisten auf den Boden gedrückt wird, während seine Hände mit Handschellen gefesselt sind. Mehrfach ruft er: „Hilfe! Genug, genug!“ Die Beamten ließen erst nach mehreren Minuten von ihm ab, als er sich nicht mehr bewegte. Rettungssanitäter drehten ihn erst nach über vier Minuten um, doch der Notarzt stellte um 12.53 Uhr seinen Tod fest.

Die Hintergründe der Festnahme sind noch unklar. Nach Medienberichten sprachen die Polizisten von einer psychiatrischen Krise des Mannes. Die Polizei war wegen Ruhestörung in den Stadtteil Pilastro gerufen worden. Der Marokkaner soll gegen den Streifenwagen geschlagen haben, woraufhin die Beamten Pfefferspray einsetzten und ihn fesselten.

Reaktionen aus Politik und Justiz

Die rechte Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni sicherte „völlige Transparenz“ bei der Aufklärung zu. Innenminister Matteo Piantedosi sprach von einer „großen Tragödie“ und betonte: „Wer sich voreilig gegen die Polizeikräfte äußert, hat weder Vertrauen in die Polizei noch in die Justiz.“ Vizeregierungschef Matteo Salvini verteidigte die Beamten: Sie hätten sich „professionell verhalten“.

Bolognas linker Bürgermeister Matteo Lepore verurteilte die Ausschreitungen, warf der Regierung aber vor, nicht angemessen zu reagieren: „Ich höre ein großes Schweigen.“ Die Senatorin Ilaria Cucchi von den Grünen prangerte eine „unmenschliche Tat“ an und warf der Regierung vor, „Hass und Rassismus“ zu fördern.

Gegen die beiden Polizisten laufen Vorermittlungen wegen fahrlässiger Tötung, ebenso gegen vier Sanitäter, die das Geschehen zunächst nur beobachtet hatten. Für die Beamten gilt eine Sonderregelung aus dem neuen Sicherheitsgesetz: Sie werden in ein Vorregister eingetragen, bevor ein reguläres Ermittlungsverfahren eingeleitet wird. Die Obduktion der Leiche und die Auswertung der Bodycam sowie des privaten Videos sollen Aufschluss über die Todesumstände geben.

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