Einen Tag nach dem grausigen Fund einer Babyleiche in Berlin-Lichterfelde haben Polizei und Staatsanwaltschaft die tatverdächtige Mutter des Kindes ermittelt. Wie die Sicherheitsbehörden am Donnerstag in einer gemeinsamen Mitteilung verkündeten, handelt es sich bei der Verdächtigen um eine Jugendliche. „Die Jugendliche wurde nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen in die Obhut eines Krankenhauses übergeben“, teilten die Behörden mit. „Die weiteren Ermittlungen dauern an.“ Die Ermittler gehen von einem Verbrechen aus.
Obduktion des Leichnams läuft
Zu den Hintergründen und Umständen des Todes des Neugeborenen wurden zunächst keine weiteren Angaben gemacht. Der Leichnam wird derzeit in der Gerichtsmedizin obduziert. Auch das Geschlecht des Säuglings wurde noch nicht bekannt gegeben. Die Polizei geht davon aus, dass es sich um ein Neugeborenes handelt, das erst mehrere Stunden oder höchstens einen Tag alt war. Unbestätigten Erkenntnissen zufolge soll noch die Nabelschnur an ihm gehangen haben.
Fundort in der Thermometersiedlung
Das tote Kind war am Mittwochmorgen in der Thermometersiedlung in Lichterfelde im Innenhof eines Wohnkomplexes entdeckt worden. Ein Zeuge hatte den Rettungsdienst alarmiert, die Helfer konnten jedoch nur noch den Tod des Säuglings feststellen. Der Säugling soll „schlimme Verletzungen“ aufweisen, hieß es. Der Zeuge stand unter Schock und musste von einem Notfallseelsorger betreut werden.
Ermittlungen belastend für alle Beteiligten
„Es ist nun Teil der Ermittlungen herauszufinden, ob das Neugeborene lediglich am Fundort abgelegt wurde oder ob es dort auch zu Tode kam“, sagte Polizeisprecher Florian Nath der Berliner Morgenpost. Der Verdacht liegt nahe, dass das Baby aus einem der Fenster geworfen worden sein könnte. „Das ist für alle schwer belastend“, so Nath. Die Gegend war am Mittwoch weiträumig mit Flatterband abgesperrt, die Spurensicherung der Polizei war bis in den Nachmittag hinein am Tatort beschäftigt.
Hintergrund: Thermometersiedlung
Die Réaumurstraße ist Teil der Thermometersiedlung im Bezirk Steglitz-Zehlendorf, die sich aus zahlreichen Plattenbauten zusammensetzt. Rund 4600 Menschen leben in den Hochhäusern, die bis zu 22 Etagen hoch sind.



