Nach dem verheerenden Erdbeben in Venezuela werden nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 50.000 Menschen vermisst. Die offizielle Zahl der Toten stieg auf mindestens 920, wie der Präsident der Nationalversammlung, Jorge Rodríguez, mitteilte. Noch immer werden sehr viele Menschen unter Trümmern vermutet.
UN-Nothilfekoordinator spricht von kolossaler Aufgabe
„Die Suche in den Trümmern ist eine kolossale Aufgabe“, sagte der UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher. Die Suche nach Verschütteten sei ein Wettlauf gegen die Zeit. Experten gehen davon aus, dass die Überlebenschancen nach 72 Stunden stark sinken. Das Epizentrum des ersten Bebens am Mittwoch um 18.04 Uhr Ortszeit (00.04 MESZ Donnerstag) lag den Angaben der US-Erdbebenwarte USGS zufolge 24 Kilometer östlich von San Felipe im Nordwesten des Landes in einer Tiefe von 21,9 Kilometern.
Stärkstes Beben seit über einem Jahrhundert
Die US-Erdbebenwarte USGS gab die Stärke der beiden Erdbeben mit 7,2 und 7,5 an. Zwischen beiden Erschütterungen lagen laut USGS nur 39 Sekunden. Das zweite Beben der Stärke 7,5 ist das heftigste in dem südamerikanischen Land seit mehr als einem Jahrhundert. Ein noch stärkeres Beben der Stärke 7,7 gab es zuletzt im Jahr 1900 nordöstlich der Hauptstadt Caracas vor der Küste Venezuelas.
Internationale Hilfe läuft an
Inzwischen läuft internationale Hilfe an. In der Nacht auf Freitag landeten bereits mehrere internationale Einsatzteams in Venezuela, darunter Helfer aus Kolumbien, Mexiko und der Schweiz. Aus der EU ist Hilfe aus acht Mitgliedstaaten mit mehr als 520 Helfern und Rettungshunden unterwegs. Auch die USA brachten Such- und Rettungsmannschaften sowie humanitäre und medizinische Hilfe auf den Weg. Die Regierung von Präsident Donald Trump kündigte Hilfsgelder von 150 Millionen US-Dollar an. Die Firma Starlink von Tech-Unternehmer Elon Musk kündigte an, das Kommunikationsnetz für Kunden bis zum 25. Juli kostenfrei zur Verfügung zu stellen, um das Katastrophengebiet mit Internet zu versorgen.
Deutsche Helfer im Einsatz
Eine erste Bundeswehr-Maschine mit Material und Mitarbeitern des Technischen Hilfswerks (THW) an Bord startete am Freitag vom Fliegerhorst Wunstorf aus in die Krisenregion. Im Laufe des Tages sollten drei weitere Flugzeuge nach Venezuela aufbrechen, darunter eines, das auf den Transport von Verletzten spezialisiert ist. Wie ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums sagte, sollen mit den Maschinen insgesamt 75 bis 80 Helfer, darunter vor allem THW-Mitarbeiter, und etwa 30 Tonnen Material in das südamerikanische Land gebracht werden.
THW-Teamleiter hofft auf Überlebende
Das THW erklärte, ein 48-köpfiges Team einer auf Erdbeben-Einsätze spezialisierten Bergungseinheit sei auf dem Weg nach Venezuela. Mit an Bord waren demnach auch vier Suchhunde-Teams. Ziel sei es, Überlebende in den Trümmern aufzuspüren. Der THW-Teamleiter des deutschen Einsatzes, Peter Benz, rechnete damit, vor Ort mit viel Zerstörung und Leid konfrontiert zu werden, äußerte aber auch Hoffnung: „Und in den Hohlräumen haben Menschen Chancen zu überleben“, sagte der Einsatzleiter mit Blick auf die eingestürzten Hochhäuser aus Beton, die Hohlräume bilden könnten.



