Urteil im Prozess um getöteten Zugbegleiter erwartet
Urteil nach tödlichem Angriff auf Zugbegleiter

Fünf Monate nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter in Rheinland-Pfalz wird heute am Landgericht Zweibrücken das Urteil gegen den mutmaßlichen Täter erwartet. Der 26-jährige Angeklagte soll dem Schaffner Serkan Calar Anfang Februar bei einer Ticketkontrolle nahe Landstuhl mit den Fäusten so heftig gegen den Kopf geschlagen haben, dass dieser zwei Tage später an einer Hirnblutung im Krankenhaus starb.

Tathergang und Beweislage

Der Vorfall ereignete sich in einem Regionalexpress. Der Angeklagte, ein Grieche mit Wohnsitz in Luxemburg, hatte keinen Fahrschein und weigerte sich, sich auszuweisen. Daraufhin forderte ihn der Zugbegleiter auf, den Zug zu verlassen. Der Angeklagte rastete aus und schlug mehrfach mit voller Wucht zu, bis das Opfer bewusstlos wurde. Die Tat wurde von Überwachungskameras im Zug aufgezeichnet. Staatsanwalt Christian Horras erklärte: „Der äußere Geschehensablauf ist zweifelsfrei dokumentiert.“ Er forderte zwölf Jahre Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge, da er keinen Tötungsvorsatz sah.

Forderungen der Prozessbeteiligten

Die Verteidigung hingegen plädiert auf einen minderschweren Fall der Körperverletzung mit Todesfolge und fordert ein Urteil „im Bereich des unteren Strafrahmens“. Die Anwälte der Opferfamilie bewerten die Tat als Mord aus niedrigen Beweggründen und fordern lebenslange Haft. Nebenkläger-Anwalt Yalcin Tekinoglu äußerte sich enttäuscht: „Das Urteil stand unserer Ansicht nach von Anfang an fest.“ Die Angehörigen hätten sich gewünscht, dass das Gericht auch eine Verurteilung wegen Totschlags oder Mordes in Betracht gezogen hätte, doch ein entsprechender rechtlicher Hinweis der Kammer blieb aus. „Wir sind von dem erwarteten Ergebnis enttäuscht“, sagte Tekinoglu. Die Angehörigen und Freunde des Opfers, die die ersten Prozesstage verfolgt hatten, werden zur Urteilsverkündung „ganz bewusst nicht kommen“. Bereits bei den Plädoyers waren sie ferngeblieben.

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Folgen für die Familie

Der Opferbeauftragte der Landesregierung Rheinland-Pfalz, Detlef Placzek, betonte die emotionale Belastung für die Familie: „Dass es für sie mehr ist als eine Körperverletzung mit Todesfolge, sondern dass auch die Absicht dahinterstand.“ Der Tod von Serkan Calar habe in seiner Familie „eine große Lücke gerissen, die sehr, sehr schwer, wenn überhaupt, dann noch einmal über die Zeit hinweg vernarben kann. Aber Narben werden bleiben.“ Calar hinterlässt zwei Kinder im Alter von 10 und 12 Jahren, die nun von der Familie versorgt werden. Er war alleinerziehender Vater.

Zunehmende Gewalt gegen Bahnmitarbeiter

Die Zahl der Übergriffe auf Mitarbeitende der Bahn steigt seit Jahren. Ein Security-Manager der DB Regio Mitte berichtete im Gericht: „Quantität und Qualität nehmen zu. Das erschreckt mich schon.“ Im Jahr 2025 gab es in seinem Bereich 231 Körperverletzungsdelikte, wobei die meisten Fälle Anspucken betrafen. Er sieht eine Veränderung der Gesellschaft: „Es gibt keinen Respekt mehr.“ Seit mehr als 20 Jahren gibt es bei der Bahn Deeskalationstrainings, an denen der getötete Zugbegleiter etwa achtmal teilgenommen hatte. Einen Angriff mit solch einer Heftigkeit wie auf Serkan Calar habe er noch nie erlebt: „Der Angriff kam aus heiterem Himmel.“

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