Am Samstagnachmittag ist es in Berlin-Prenzlauer Berg zu einem antisemitischen Angriff mitten auf der Fehrbelliner Straße gekommen. Ein Mann und eine Frau beschimpften ein Paar mit Kinderwagen mit antisemitischen Parolen. Eine Zeugin filmte den Vorfall und erstattete Anzeige. Der Polizeiliche Staatsschutz des Landeskriminalamts ermittelt wegen des Verdachts der Volksverhetzung und Beleidigung.
Zeugin schildert die Hasstirade
Eine Deutsche, die laut eigenen Angaben in Israel arbeitet und selbst nicht jüdisch ist, schilderte den Vorfall gegenüber der „Jüdischen Allgemeinen“. In einem Instagram-Beitrag der Zeitung berichtet sie: „Als ich gegen 15.30 Uhr aus einem Uber stieg, hörte ich plötzlich Rufe wie ,Fuck Jews‘, ,Kill the Jews‘, ,Fuck Zionism‘ und ,Viva Hamas‘.“ Die Zeugin begann daraufhin, die Szene mit ihrem Handy zu filmen. Ob das angegriffene Paar jüdisch oder israelisch war, konnte sie eigenen Angaben zufolge nicht erkennen. Auch weshalb die Angreifer ausgerechnet dieses Paar ins Visier nahmen, blieb unklar. „Das Pärchen, gegen das sich die Parolen richteten, sah ich nur von hinten“, sagte sie.
Täter bedroht Zeugin
Als der Mann bemerkte, dass die Zeugin die Szene filmte, kam er auf sie zu. Auf dem Video ist zu hören, wie er sie bedrohte: „Handy weg, verpiss dich!“ Er soll versucht haben, ihr das Mobiltelefon aus der Hand zu reißen, sie geschubst und bedroht haben. „Ich wollte mich zunächst in ein Geschäft in Sicherheit bringen und anschließend so schnell wie möglich zu meiner Freundin gelangen“, schilderte die Frau ihre Reaktion. Das Auftreten der beiden habe auf sie zudem „sehr routiniert“ gewirkt. Sie habe den Eindruck gehabt, dass die beiden gezielt Menschen einschüchtern wollten.
Ermittlungen des Staatsschutzes
Noch am selben Tag erstattete die Zeugin Anzeige bei der Berliner Polizei. Wie die „Jüdische Allgemeine“ berichtet, bestätigte die Polizei den Vorfall auf Anfrage. Der Polizeiliche Staatsschutz des Landeskriminalamts ermittelt demnach wegen des Verdachts der Volksverhetzung und Beleidigung.
Identität des Täters: Vom Rechtsextremisten zum Pro-Palästina-Aktivisten
Wie der „Tagesspiegel“ berichtet, liegen dem Blatt klare Hinweise zur Identität des Mannes im Video vor. Demnach soll es sich um einen bekannten Akteur der radikalen pro-palästinensischen Szene in Berlin handeln. Aufnahmen zeigten ihn zuletzt Ende Mai bei einer pro-iranischen Demonstration in Berlin-Mitte, bei der laut dem Verein „democ“ Propagandalieder des islamischen Regimes abgespielt und Portraits des „Revolutionsführers“ Ali Chamenei (1939-2026) verherrlicht wurden. Besonders brisant ist laut „Tagesspiegel“ sein politischer Werdegang. Politisch sozialisiert wurde der Mann demnach zunächst in rechtsextremen Kreisen. 2013 nahm er an NPD-Demonstrationen teil, wie Fotos belegen sollen. Spätestens ab 2016 tauche er dann in einem völlig anderen Kontext auf: als mutmaßliches Mitglied der inzwischen aufgelösten maoistischen Gruppierung „Jugendwiderstand“. Auch dort soll er laut „friedensdemowatch“ wiederholt durch Drohgebärden und Angriffe auf Fotojournalisten aufgefallen sein.



