Die Unicredit kommt einer Mehrheitsübernahme der Commerzbank immer näher. Wie die italienische Großbank am Donnerstag mitteilte, wurde ihr Übernahmeangebot bis zum Ablauf am 3. Juli für 17,6 Prozent der Commerzbank-Aktien angenommen. Zusammen mit den bereits zuvor gehaltenen 26,77 Prozent steigt der direkte Anteil der Unicredit an der Commerzbank damit auf rund 44 Prozent.
Finanzinstrumente erhöhen den Einfluss weiter
Doch damit nicht genug: Die Unicredit hat zusätzlich über Kaufoptionen Zugriff auf mehr als drei Prozent der Commerzbank-Aktien und hält weitere Finanzinstrumente. Nach eigenen Angaben kommt sie dadurch auf insgesamt mehr als 47 Prozent. Damit wäre eine Sperrminorität und nahezu die Mehrheit erreicht. Die Unicredit kann nun an der Börse weitere Commerzbank-Aktien erwerben, steht dabei jedoch unter Beobachtung der Finanzaufsicht.
Bereits mit Stand 19. Juni hatte die Unicredit einen Anteil von rund 40 Prozent gemeldet, plus Finanzinstrumente. Damals drohte sie damit, auf der nächsten Hauptversammlung im Frühjahr 2027 das Commerzbank-Management abzusetzen, falls sie genügend Aktionäre hinter sich bringe.
Hürden für eine vollständige Übernahme
Für eine komplette Übernahme sind jedoch noch weitere Schritte nötig. Neben dem Zukauf weiterer Anteile müssen die Aufsichtsbehörden zustimmen, allen voran die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie die Wettbewerbshüter der EU-Kommission. Erst dann könnte die Unicredit die Commerzbank vollständig übernehmen.
Die Unicredit war im September 2024 bei der Commerzbank eingestiegen und hatte Anfang Mai 2025 ein Übernahmeangebot vorgelegt. Sie bot 0,485 eigene Aktien je Commerzbank-Papier. Umgerechnet lag die Offerte lange unter dem Kurs der Commerzbank-Aktien, wurde aber zuletzt durch den gestiegenen Aktienkurs der Unicredit attraktiver.
Strategische Ziele und Widerstand
Unicredit-Chef Andrea Orcel verfolgt mit der Übernahme das Ziel, eine europäische Großbank zu schmieden, die als Gegengewicht zu den US-Banken dienen kann. Er sieht Potenzial für Milliardeneinsparungen, darunter der Abbau von rund 7.000 Stellen bei der Commerzbank. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp lehnt eine Übernahme ebenso ab wie die Bundesregierung. Der Bund hält noch immer einen Anteil an der Commerzbank und hat sich mehrfach gegen eine feindliche Übernahme ausgesprochen.



