US-Präsident Donald Trump hat die Feuerpause mit dem Iran für beendet erklärt. „Die Feuerpause ist vorbei“, sagte Trump am Rande des Nato-Gipfels in der Türkei. Zuvor hatten sich beide Seiten nach nächtlichen Bombardierungen weiter an der iranischen Südküste angegriffen. Der Iran meldete zudem weitere Angriffe auf den Golfstaat Bahrain.
US-Militär greift über 80 Ziele an
Das US-Militär hat nach eigenen Angaben über 80 Ziele im Iran angegriffen und seine Attacken inzwischen beendet. Die Streitkräfte hätten unter anderem Luftabwehrsysteme, Schiffsabwehrraketen sowie mehr als 60 Boote der Revolutionsgarden in oder nahe der Straße von Hormus getroffen, teilte das zuständige Regionalkommando Centcom mit. Damit sei die Fähigkeit des Irans beeinträchtigt worden, den Schiffsverkehr in der Meerenge zu stören. Das US-Militär stellte die Attacke als Reaktion auf iranische Angriffe auf drei Handelsschiffe dar. Centcom zufolge hatte der Iran je ein Schiff unter Flagge der Marshallinseln, Liberias sowie Saudi-Arabiens angegriffen.
Iranische Medien berichteten in der Nacht von Explosionen in der Hafenstadt Sirik an der Meerenge sowie auf der Insel Qeschm. Auch aus dem Bereich der Großstadt Bandar Abbas gab es Berichte über Explosionen. Nach Angaben des regierungstreuen Senders Press TV wurden mehrere Menschen verletzt. Nahe der Hafenstadt Buschehr seien mindestens zwei Projektile eingeschlagen, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Tasnim unter Berufung auf den Vizegouverneur der gleichnamigen Provinz. Die Revolutionsgarden meldeten den Tod eines Mitglieds der Flugabwehr in der Stadt Mahschahr in der Provinz Chusestan.
Iran attackiert Bahrain und Kuwait
Teheran verurteilte Washingtons Vorgehen umgehend als „schwerwiegenden Verstoß“ gegen das Rahmenabkommen zur Beendigung des Krieges. Der Iran werde „entschlossene Maßnahmen ergreifen, um seine nationalen Interessen und seine Sicherheit zu wahren“, schrieb Vizeaußenminister Kasem Gharibabadi auf der Plattform X. Es werde eine „entschiedene Antwort auf die Aggression und den Terrorakt der USA geben“, zitierten die staatliche Nachrichtenagentur Irna und der regierungstreue Sender Press TV das iranische Hauptquartier Khatam al-Anbiya.
Irans Revolutionsgarden teilten nach Angaben von Irna mit, ihrerseits 85 Ziele in US-Militäreinrichtungen attackiert zu haben, darunter im Bereich der fünften US-Flotte vor Bahrain sowie auf dem Luftwaffenstützpunkt Ali Al-Salem in Kuwait. Auch eine feindliche Drohne habe man abgeschossen. Bahrain und Kuwait waren wie auch andere Golfstaaten schon mehrfach unter iranischen Beschuss geraten. Sie alle beherbergen US-Militärbasen, die sich nur wenige Hundert Kilometer vom Iran entfernt befinden.
Nato-Chef Rutte: US-Angriffe „absolut notwendig“
Nato-Generalsekretär Mark Rutte bezeichnete die neuen US-Angriffe auf iranische Ziele als „absolut notwendig“. „Wenn eine Waffenruhe besteht und der Iran diese im Grunde genommen verletzt, halte ich es für vollkommen entscheidend, dass die USA entschlossen reagieren“, sagte Rutte vor Journalisten im Vorfeld des Nato-Gipfels in Ankara. Der Iran hatte Berichten zufolge in der Straße von Hormus trotz einer eigentlich vereinbarten Waffenruhe Tanker angegriffen.
Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) zeigte ebenfalls Verständnis. „Der Iran muss jetzt wirklich verstehen, dass ernsthaft zu verhandeln ist und weitere Militärschläge angebracht sind“, sagte er dem Sender NDR Info. Die iranische Führung habe noch nicht verstanden, dass sie darauf verzichten müsse, „eine nukleare Bewaffnung zu haben“. Die Waffenruhe hält Wadephul trotz der erneuten Angriffe nicht für gescheitert: „Nein, ich glaube, es gibt eine Chance, dass wirklich diese Verhandlungen noch stattfinden.“
Ölpreis steigt nach Eskalation
Die Eskalation des Konflikts zwischen den USA und dem Iran hat am Mittwoch den Ölpreis in die Höhe getrieben und für Nervosität an den Finanzmärkten gesorgt. Nach US-Luftangriffen auf Ziele im Iran und der Wiedereinführung von Sanktionen gegen iranische Ölexporte fürchten Anleger eine Störung der Lieferketten im Nahen Osten. „Offensichtlich mag der Markt diese Angriffe nicht, aber es ist auch keine ausgewachsene Panik“, sagte Jason Wong, Stratege bei der Bank of New Zealand. Die Anfälligkeit des Marktes sei jedoch wegen der weltweit niedrigen Reserven hoch. Daten aus dieser Woche zeigten, dass die strategischen Ölreserven der USA auf den niedrigsten Stand seit 1983 gefallen sind.
Inhaftiertes britisches Paar im Hungerstreik
Ein im Iran inhaftiertes britisches Paar ist Berichten zufolge seit Wochen im Hungerstreik. Den beiden werde weiterhin der Kontakt zu ihrer Familie untersagt, berichtete das Menschenrechtsnetzwerk HRANA unter Berufung auf eine mit der Situation vertraute Quelle. Beide hätten seit Beginn ihres Hungerstreiks rund 15 Kilogramm Gewicht verloren. Dem HRANA-Bericht zufolge hätten sich ihre Haftbedingungen verschlechtert, nachdem sie dem britischen Sender BBC ein Interview gegeben hatten. Seit fast zwei Monaten befindet sich das Paar im Hungerstreik. Familienangehörige seien „zutiefst besorgt“, berichtete die BBC. Im Februar war bekannt geworden, dass die Eheleute zu zehn Jahren Haft verurteilt worden waren.
Trauerzug für Chamenei im Irak
Die tagelangen Trauerprozessionen für Irans getöteten obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei haben das Nachbarland Irak erreicht. Tausende Menschen erwiesen in der irakischen Pilgerstadt Nadschaf Chamenei die letzte Ehre. Während sein Sarg auf einem Lastwagen durch die Straßen gefahren wurde, riefen die Trauernden „Tod Amerika“ und „Tod Israel“. Der insgesamt sechstägige Trauerzug hatte zuvor im Iran riesige Menschenmengen angezogen. Chamenei war am ersten Tag der Angriffe der USA und Israels Ende Februar getötet worden. Die Beisetzung soll am Donnerstag in Maschhad stattfinden.
Amnesty fordert internationalen Druck auf Iran
Sechs Monate nach der blutigen Niederschlagung der Proteste im Iran hat Amnesty International weltweiten Druck auf die Regierung in Teheran gefordert. „Die internationale Gemeinschaft hat es versäumt, die Verbrechen gegen die iranische Bevölkerung aufklären zu lassen und sich glaubhaft für eine internationale Strafverfolgung einzusetzen“, sagte Julia Duchrow, Generalsekretärin der Menschenrechtsorganisation in Deutschland. Amnesty appellierte an die internationale Gemeinschaft, „die systemische Straflosigkeit und Menschenrechtskrise“ im Iran auf die Agenda zu setzen.



