Musterdepot: Warum Cash und Gold in unsicheren Märkten glänzen
Musterdepot: Cash und Gold als Stabilitätsanker

Die Schwankungen an den Märkten nehmen zu, wie das Auf und Ab bei Chipaktien zeigt. Daher erscheinen Cash und Gold besonders attraktiv, schreibt Philipp Paulus, Portfoliomanager im Bereich Liquids Assets bei FGTC Investment, in seinem Musterdepot-Beitrag für das Handelsblatt.

Halbleiterboom mit erhöhter Volatilität

Während Big-Tech zuletzt schwächelte, blieb der Halbleitersektor das beherrschende Thema an den internationalen Börsen. Kaum ein anderer Sektor verzeichnete in diesem Jahr eine vergleichbar starke Entwicklung. Zugleich zeigt sich: Diese Marktführerschaft geht mit einer erhöhten Schwankungsanfälligkeit einher.

Wie ausgeprägt diese Dynamik ist, verdeutlichten die jüngsten Quartalszahlen des Speicherchipherstellers Micron. Nach einem Rekordquartalsumsatz sprang die Aktie innerhalb eines Handelstages um mehr als 15 Prozent nach oben – nachdem sie zuvor zeitweise knapp 18 Prozent verloren hatte. Mittlerweile gab der Titel erneut rund 16 Prozent ab.

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Die Kursentwicklung unterstreicht, wie schnell sich die Stimmung in diesem Marktsegment dreht. Weil die Halbleiterindustrie als zentraler Profiteur der KI-Investitionen gilt, reagieren die Kurse besonders stark auf Unternehmensnachrichten und Veränderungen der makroökonomischen Lage.

Fed bremst Zinssenkungserwartungen

Neben dem Technologiesektor richtet sich der Blick der Marktteilnehmer vor allem auf die US-Notenbank. Der von der Federal Reserve bevorzugte Inflationsindikator stieg im Mai auf 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr – der höchste Stand seit fast drei Jahren. Verantwortlich waren vor allem die infolge des Irankonflikts deutlich gestiegenen Energiepreise. Die Inflation liegt damit klar oberhalb des Notenbank-Zielwerts.

Die Federal Reserve hat ihren geldpolitischen Kurs daraufhin spürbar verschärft. Zinssenkungen für 2026 gelten als unwahrscheinlich; die Terminmärkte preisen mittlerweile sogar wieder das Risiko einer weiteren Zinserhöhung im laufenden Jahr ein.

Der Zinssenkungszyklus dürfte vorerst unterbrochen sein. Hinzu kommt ein weiterer Aspekt. Der neue Fed-Präsident Kevin Warsh will künftig weitgehend auf die sogenannte Forward Guidance verzichten – jenes Kommunikationsinstrument, mit dem die Notenbank über viele Jahre die Erwartungen der Kapitalmärkte steuerte und Orientierung über den künftigen Kurs gab. Fällt dieser Ankerpunkt weg, wächst der Interpretationsspielraum der Märkte – und damit auch ihre Schwankungsanfälligkeit.

KI-Investitionen unter Zinsdruck

Für die kapitalintensiven KI-Investitionen spielt das Zinsniveau eine zentrale Rolle. Höhere Finanzierungskosten verteuern große Investitionsprogramme erheblich. Lassen sie sich nicht aus dem operativen Cashflow stemmen, bleibt häufig nur die Aufnahme von Fremdkapital oder die Ausgabe neuer Aktien. Beide Entwicklungen verdienen in den kommenden Quartalen besondere Aufmerksamkeit.

Erste Anzeichen einer Entspannung gibt es dennoch. Nach der Wiederöffnung der Straße von Hormus haben die Ölpreise den kriegsbedingten Anstieg nahezu vollständig wieder abgegeben. Setzt sich diese Entwicklung fort, könnte die Inflation in den kommenden Monaten zurückgehen – und der Federal Reserve zusätzlichen Handlungsspielraum verschaffen.

Strategie des Dynamik-Depots: Cash und Gold als Stabilitätsanker

Für das Dynamik-Depot ergibt sich daraus kein Anlass für grundlegende Anpassungen. Die breite Diversifikation über verschiedene Branchen und Anlageklassen bleibt gerade in einem schwierigeren Marktumfeld ein wesentlicher Stabilitätsfaktor. Die Aktienquote halte ich unverändert bei rund 70 Prozent – einem neutralen Niveau. In einem Umfeld erhöhter Unsicherheit bleibt Geduld die sinnvollste Strategie.

Ich halte bewusst verzinste Liquidität in Form sehr kurzlaufender Staatsanleihen vor, um mögliche Marktrücksetzer gezielt für Nachkäufe profitabler Qualitätsunternehmen zu nutzen. Eine Opportunität sehe ich weiterhin im Goldmarkt. Die Position habe ich zuletzt weiter ausgebaut. Ziel bleibt es, die Goldquote bei weiteren Preisrückgängen schrittweise zu erhöhen – und damit die Stabilität des Portfolios in einem von Unsicherheit und geldpolitischen Richtungsdebatten geprägten Marktumfeld zu stärken.

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