Biesenhorster Sand: Berlins Lost Place zwischen Geschichte und Natur
Biesenhorster Sand: Lost Place in Berlin entdecken

Ein vergessener Ort im Osten Berlins

Im Osten Berlins, zwischen den Ortsteilen Karlshorst und Biesdorf, liegt ein ganz besonderes Areal: der Biesenhorster Sand. Dieses Gebiet, das heute als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist, blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Einst starteten hier Luftschiffe, später diente es als Rangierbahnhof und während des Zweiten Weltkriegs befand sich in der Nähe eine Heerespionierschule der Wehrmacht. Heute wird der Biesenhorster Sand von der Natur zurückerobert und bietet Besuchern eine einzigartige Mischung aus Industriekultur und wilder Landschaft.

Anreise und erster Eindruck

Der Biesenhorster Sand ist gut zu erreichen: Mit dem Bus vom Tierpark, zu Fuß vom U-Bahnhof Biesdorf-Süd oder vom S-Bahnhof Wuhlheide gelangt man schnell in das Gebiet. Wer von Norden kommt, sieht zunächst sandige Wege, gesäumt von Elektrozäunen. Ahorn- und Eichenbäume säumen den Weg, und in der Ferne hört man den Lärm der Stadt nur noch leise. Das Areal liegt zwischen den Bezirken Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf und erstreckt sich über eine Fläche von etwa 108 Hektar, wovon 43 Hektar seit 2021 unter Naturschutz stehen.

Geologische Entstehung

Vor tausenden Jahren floss Schmelzwasser das Warschau-Berliner Urstromtal herab. Das Wasser führte Sand mit sich, der sich mit der Zeit ablagerte – auch dort, wo heute Karlshorst und Biesdorf aufeinandertreffen. Dieser sandige Boden prägt bis heute die Landschaft des Biesenhorster Sandes und bietet Lebensraum für viele seltene Pflanzen- und Tierarten.

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Die bewegte Geschichte des Biesenhorster Sandes

Luftschiffhalle und Probeflüge

Anfang des 20. Jahrhunderts errichtete die Firma Siemens & Schuckert auf dem Biesenhorster Sand eine Luftschiffhalle. Die Halle war 135 Meter lang, 1200 Tonnen schwer und drehbar – eine Weltneuheit. Am 23. Januar 1911 stieg das erste Luftschiff in den Himmel über dem Biesenhorster Sand auf. Insgesamt fanden über 70 Probeflüge von hier aus statt. Heute ist von der Halle nichts mehr zu sehen.

Rangierbahnhof und Nazi-Schule

Ab 1930 begannen die Arbeiten für den Bau eines Rangierbahnhofs. Dafür wurde zusätzlicher Sand aufgeschüttet, der unter anderem aus dem Biesdorfer Baggersee stammte. Der Bahnhof wurde jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg in Betrieb genommen. In der Zwischenzeit baute die Wehrmacht unweit des heutigen Naturschutzgebiets eine Heerespionierschule, in der Soldaten ausgebildet wurden. Als die Rote Armee Berlin erreichte, wurde das Gebäude zum Kommandostab umfunktioniert. Am 9. Mai 1945 unterzeichneten die deutschen Oberbefehlshaber im sogenannten Offizierskasino die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht – nur wenige hundert Meter vom Biesenhorster Sand entfernt. Heute beherbergt das Gebäude das Museum Berlin-Karlshorst.

Der verwaiste Rangierbahnhof

Weiter östlich, tief im Biesenhorster Sand, stößt man auf die Überreste des alten Rangierbahnhofs. Ein huckeliger Pfad führt über graue Schottersteine, verwitterte Holzschwellen und rostige Schienen zu einer alten, leer stehenden Halle. Sonnenlicht fällt durch scheibenlose Fenster, Graffitis zieren die Wände in Gold, Lila und Blau. Spraydosen liegen verstreut auf dem Boden, es riecht nach Farbe. Der Rangierbahnhof wurde 1994 geschlossen; nur die alte Ausbesserungshalle steht noch. Von hier führt der Weg weiter über sandigen Boden und durch schattige Nadelwäldchen Richtung S-Bahnhof Wuhlheide in Treptow-Köpenick.

Naturschutzgebiet mit artenreicher Flora und Fauna

Seit 2021 ist ein Teil des Biesenhorster Sandes offiziell Naturschutzgebiet. Bereits 2015 zählte der Berliner Naturschutzbund (Nabu) auf der Gesamtfläche 382 Farn- und Blütenpflanzen, darunter vom Aussterben bedrohte Arten wie Kleines Mädesüß und Kegelleimkraut. Zudem wurden 33 Vogelarten, 388 Großschmetterlingsarten, 25 Heuschreckenarten, 778 Käferarten und 274 Hautflügler nachgewiesen. Einige dieser Tierarten galten in Berlin bereits als ausgestorben. Der Nabu betonte damals: „Diese Ergebnisse verdeutlichen, welchen Artenreichtum größere Ruderalflächen in Stadtgebieten aufweisen können und wie wichtig eine kontinuierliche Pflege dieser Lebensräume ist.“

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Ein lohnendes Ausflugsziel

Der Biesenhorster Sand ist heute ein beliebtes Ziel für Spaziergänger und Naturfreunde. Die enge Verzahnung verschiedener Lebensräume macht das Gebiet besonders reizvoll. Wer die Ruhe und die besondere Atmosphäre eines Lost Place in Berlin erleben möchte, findet hier eine einzigartige Kulisse, die von der Geschichte und der Natur gleichermaßen geprägt ist.