In Berlin-Steglitz-Zehlendorf eskalieren die Spannungen zwischen Eltern und Schulamt: Weil sämtliche Integrierten Sekundarschulen (ISS) im Bezirk überbelegt sind, hat die Behörde zwei 7. Klassen kurzerhand in einer berufsbildenden Schule untergebracht. Ein Vater, der anonym bleiben möchte, berichtet von einem hitzigen Elternabend und kündigt rechtliche Schritte an.
Elternabend eskaliert – Vater berichtet
Dennis N., Vater von drei Kindern, dessen mittlere Tochter nach den Sommerferien von der Grundschule auf die weiterführende Schule wechseln soll, war fassungslos: Keiner der drei Anmeldewünsche der Familie wurde vom Schulamt berücksichtigt. Stattdessen erhielt die Tochter einen Platz in einer Berufsschule, die eigentlich für die Ausbildung gedacht ist. „Wir werden klagen“, sagte N. dem Tagesspiegel. „Es kann nicht sein, dass unsere Kinder in einer Schule unterrichtet werden, die nicht für den allgemeinbildenden Unterricht ausgelegt ist.“
Der Elternabend, der vergangene Woche stattfand, war laut N. von Unmut und Verzweiflung geprägt. Viele Eltern fühlten sich von der Behörde im Stich gelassen. „Die Schulamtsmitarbeiter wirkten überfordert und konnten keine konkreten Lösungen anbieten“, so N. weiter. Einige Eltern hätten sogar mit dem Gedanken gespielt, ihre Kinder auf Privatschulen zu schicken, was für viele finanziell nicht machbar sei.
Überfüllung als Dauerproblem
Die Situation in Steglitz-Zehlendorf ist kein Einzelfall. Bereits in den vergangenen Jahren waren die ISS im Bezirk stark nachgefragt. Laut Schulamt sind in diesem Jahr rund 300 Anmeldungen mehr eingegangen als Plätze vorhanden sind. Die Berufsschule, die nun als Ausweichstandort dient, verfügt über freie Räume, ist aber nicht für den Unterricht von 12- bis 13-Jährigen konzipiert. „Es fehlt an Fachräumen, einer geeigneten Bibliothek und vor allem an ausgebildeten Lehrkräften für die Sekundarstufe I“, kritisiert der Vater.
Die Eltern fordern nun, dass das Schulamt schnellstmöglich eineAlternative schafft – etwa durch die Anmietung von Containern oder die Nutzung anderer freier Flächen. Auch eine Übergangslösung in einer nahegelegenen Schule sei denkbar, so N. „Wir wollen nicht, dass unsere Kinder die Leidtragenden dieser Planungspannen sind.“
Rechtliche Schritte angekündigt
Mehrere Familien haben bereits angekündigt, vor das Verwaltungsgericht zu ziehen. Ein Anwalt, der den Elternabend begleitete, erklärte, dass die Zuweisung an eine Berufsschule möglicherweise gegen das Recht auf Bildung verstoße. „Die Schüler haben einen Anspruch auf einen gleichwertigen Unterricht in einer geeigneten Umgebung“, so der Jurist. Das Schulamt hingegen verweist auf die angespannte Lage und bittet um Verständnis. Eine Sprecherin sagte: „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, für alle Kinder einen Platz zu finden. Die Berufsschule ist eine vorübergehende Notlösung.“
Die Eltern lassen das jedoch nicht gelten. Dennis N. hat bereits Kontakt zu anderen betroffenen Familien aufgenommen, um eine gemeinsame Klage vorzubereiten. „Wir werden nicht locker lassen, bis unsere Kinder einen angemessenen Schulplatz erhalten“, sagt er entschlossen.



