Die US-Einwanderungsbehörde ICE (Immigration and Customs Enforcement) treibt die Gründung einer eigenen Abschiebe-Airline voran. Herzstück des Projekts sind sieben Boeing 737-700, die künftig für Abschiebungen, Rückführungen und Spezialmissionen eingesetzt werden sollen. Dies geht aus einer offiziellen Ausschreibung der US-Regierung auf dem Regierungsportal SAM.gov hervor. Der Erstflug der neuen Flotte ist für den 28. Juli 2027 geplant, wie mehrere Luftfahrtmedien unter Berufung auf Regierungsunterlagen berichten. Offiziell bestätigt wurde dieses Datum vom Heimatschutzministerium jedoch noch nicht.
Hintergrund: Trump verschärft Migrationskurs
US-Präsident Donald Trump (80) setzt seinen harten Kurs gegen illegale Migration fort. Das Heimatschutzministerium DHS plant eine eigene Flugzeugflotte, die künftig Abschiebungen, Rückführungen und Spezialmissionen übernehmen soll. Bislang setzte ICE überwiegend auf gecharterte Flugzeuge privater Unternehmen. Die neue Flotte soll laut Ausschreibungsunterlagen jederzeit einsatzbereit sein – 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Neben den sieben Boeing-Jets sind auch zwei Langstreckenflugzeuge vom Typ Gulfstream G650ER beziehungsweise C‑37B vorgesehen.
Einsparungen von 279 Millionen Dollar jährlich
Bereits Ende 2025 hatte das Heimatschutzministerium den Kauf mehrerer Boeing-737-Maschinen bestätigt. DHS-Sprecherin Tricia McLaughlin betonte damals gegenüber CNBC, die neue Flotte werde den amerikanischen Steuerzahlern nach Berechnungen der Behörde rund 279 Millionen Dollar im Jahr einsparen. Gleichzeitig erklärte sie, Präsident Trump sei entschlossen, kriminelle illegale Einwanderer schnell und effizient außer Landes zu bringen. Die Flugzeuge sollen nicht nur für Abschiebungen, sondern auch für freiwillige Rückführungen, Hochrisiko-Einsätze, medizinische Evakuierungen und den Transport hochrangiger Regierungsvertreter genutzt werden.
Reaktion auf Probleme mit privaten Partnern
Die Entscheidung zur Gründung einer eigenen Airline dürfte auch eine Reaktion auf Schwierigkeiten mit bisherigen Vertragspartnern sein. Besonders die Billigfluggesellschaft Avelo Airlines geriet wegen ihrer Abschiebeflüge für ICE massiv unter Druck. Nach Protesten und politischer Kritik zog sich das Unternehmen Anfang 2026 aus dem Geschäft zurück. Nach Angaben des Luftfahrtportals „ch-aviation“ befinden sich inzwischen mehrere ehemalige Boeing 737-700 von Avelo bereits im Besitz des Heimatschutzministeriums.
Offene Fragen: Standorte und Starttermin
Noch offen ist, von welchen Flughäfen die neue Flotte künftig operieren wird. Die Regierung prüft nach eigenen Angaben sowohl eine zentrale Basis als auch ein Netzwerk nach dem Vorbild großer Fluggesellschaften mit mehreren Standorten und Zubringerverbindungen. Auch Einsätze in abgelegenen Regionen innerhalb und außerhalb der USA werden ausdrücklich genannt. „Bei den Standorten kann es sich um abgelegene, primitive oder karge Umgebungen handeln“, heißt es in einer Mitteilung, über die Bloomberg zuerst berichtete. Der mögliche Starttermin am 28. Juli 2027 wurde vom Heimatschutzministerium bisher nicht offiziell bestätigt.



