Die Hochwasserlage in Sachsen-Anhalt bleibt angespannt. Während in Brandenburg und Niedersachsen Deichbrüche und Polderflutungen für eine leichte Entspannung sorgen, kämpfen die Menschen östlich der Elbe bei Stendal verbissen gegen die Wassermassen. Besonders kritisch ist die Situation in Fischbeck, wo der Deich auf 50 Metern Länge gebrochen ist und die Elbe ungehindert ins Hinterland strömt.
Aus der Luft ist von Fischbeck kaum mehr zu sehen als Hausdächer. „Bungalows sind komplett weg“, berichtet ein Flieger der Bundespolizei. Der Krisenstab in Sachsen-Anhalt meldete zunächst, der Deichbruch sei unter Kontrolle, doch Bundeswehr-Sprecher André Sabzog widerspricht: „Der Deich ist bei Fischbeck auf 80 Metern durch.“ Man müsse Menschen aus der Luft retten, die sich noch in der Gegend aufhalten.
Im Kampf gegen die Flut setzen die Einsatzkräfte auf Sandsäcke in sogenannten Bigbags, die jeweils anderthalb Tonnen wiegen. Diese werden von Hubschraubern der Bundeswehr und Bundespolizei zu den Bruchstellen geflogen. In Borstel, nördlich von Stendal, hat sich ein Flugplatz in einen Sandsack-Knotenpunkt verwandelt. Alle zwei Minuten starten hier Helikopter zu den Einsätzen.
Die Region ist durch das Hochwasser geteilt: Straßen sind gesperrt, die Brücke bei Tangermünde nicht befahrbar. Wer ans andere Elbufer will, muss weite Umwege über Wittenberge oder Magdeburg nehmen. Die Hubschrauber fliegen im Fünf-Minuten-Takt, um die Bigbags abzusetzen. Die Crews arbeiten in Zwölf-Stunden-Schichten, unterstützt von rund 150 Freiwilligen, die die Sandsäcke beladen.



