140 Oldtimer versammelten sich am Sonntag, dem 21. Juni 2026, auf dem Olympischen Platz in Berlin, um an der achten Heidi-Hetzer-Gedenkfahrt teilzunehmen. Die Veranstaltung, die jedes Jahr am Sonntag nach dem Geburtstag der bekannten Rallyefahrerin und Unternehmerin stattfindet, diente dieses Mal der Unterstützung blinder und sehbehinderter Menschen. Die Teilnehmerzahlung von mindestens 20 Euro pro Fahrzeug sowie zusätzliche Spenden ergaben eine Gesamtsumme von über 5200 Euro, die unter anderem der August-Zeune-Blindenschule in Steglitz zugutekommt.
Heidi Hetzers Vermächtnis: Eine außergewöhnliche Frau
Heidi Hetzer, die 2019 im Alter von 81 Jahren in Berlin starb, war weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Als Rallyefahrerin, Unternehmerin und Weltenbummlerin sorgte sie für Schlagzeilen. Organisiert wird die Gedenkfahrt vom Motor-Journalisten Ulf Schulz und seinen Oldtimerfreunden. „Wenn es darum ging, bei einer guten Sache zu helfen, war Heidi immer diejenige, die gesagt hat: Los, wir machen da jetzt was“, erinnerte sich Schulz. Heidi Hetzer war Charity-Botschafterin der Aktion Augenlicht des Vereins Together e.V., der die Spenden der Gedenkfahrt erhält.
Vielfältige Oldtimer und besondere Teilnehmer
Zugelassen waren Fahrzeuge bis Baujahr 2001. Die Bandbreite reichte vom Rolls-Royce-Cabrio bis zu verschiedenen Opel-Modellen. Viele Fahrzeuge waren mit pinkfarbenen Heidi-Hetzer-Wimpeln und Stickern vergangener Rallyes geschmückt. Ein besonderes Fahrzeug war ein Einsatzwagen des Deutschen Roten Kreuzes, der am 25. April 1985 in Dienst gestellt wurde. „Ich bin zum fünften Mal dabei, zu Ehren von Heidi Hetzer. Der Wagen ist verglichen mit heutigem Standard nicht sehr komfortabel, aber er läuft tadellos“, sagte Fahrer Michael Idziak vom DRK. Detlef Miethke, Vorsitzender der Motorrad-Veteranen-Gemeinschaft, nahm mit einer DKW aus dem Jahr 1931 teil. „Die Maschine wurde nach dem Krieg in einer Laube entdeckt. Fährt ganz prima“, erklärte er stolz.
Strecke und Ziel: Stölln und die „Lady Agnes“
Die Gedenkfahrt führte über die B5, die alte Transitstrecke, nach Stölln im westlichen Havelland. Ziel war die „Lady Agnes“, das letzte Passagierflugzeug der Interflug, das in der DDR landete. Der vordere Bereich des Fliegers dient als Museum, der hintere Bereich ist als Standesamt eingerichtet, in dem sich Brautpaare trauen lassen können. Dank Olaf Höhn, dem Gründer von Florida-Eis, wartete dort eine kalte Überraschung auf die Teilnehmer.
Integration blinder und sehbehinderter Menschen
Mitglieder des Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenvereins Berlin (ABSV) konnten als Beifahrer oder in einem Minibus an der Fahrt teilnehmen. Die blinde Künstlerin Silja Korn ließ sich von Heidi Hetzers Tochter Marla Mackay den großen, pinkfarbenen Tourenwagen „zeigen“, mit dem ihre Mutter Zehntausende Kilometer durch viele Länder gefahren war. Silja Korn ertastete den außen angebrachten Reservereifen und ließ ihre Hände an den Türen und Scheiben entlanggleiten. „So sauber war der zu Lebzeiten meiner Mutter nie, sondern immer voller Dreck und Staub“, erzählte Marla Mackay.
Spendenübergabe und Dank
Bevor Ulf Schulz mit der Heidi-Hetzer-Flagge das Zeichen zum Start gab, bedankte er sich bei allen Teilnehmern für ihre großzügigen Spenden. „Heidi Hetzer hatte nicht nur ein großes Herz, sondern war auch eine mutige Frau in einer männerdominierten Welt. Mit 77 Jahren ist sie zu einer Weltreise mit ihrem geliebten Auto aufgebrochen und hat sich gefragt: Was bleibt von mir noch übrig? Wir haben sie nicht vergessen“, sagte Schulz. Die gesammelten Spenden von über 5200 Euro fließen an den Together e.V. zur Unterstützung der Aktion Augenlicht und insbesondere an die August-Zeune-Blindenschule.



