Das Grundprinzip der sozialen Marktwirtschaft besagt: Wer arbeitet, soll mehr haben als wer nicht arbeitet. Doch dieser Grundsatz gerät zunehmend ins Wanken. Eine Analyse von sieben Familien offenbart, wie knapp der Abstand zwischen Erwerbseinkommen und Bürgergeld inzwischen geworden ist.
Die bittere Rechnung für Deutschlands Fleißige
Immer mehr Arbeitnehmer fragen sich, ob sich der Job überhaupt noch lohnt. Denn der finanzielle Vorteil gegenüber dem Bürgergeld schmilzt dahin. Besonders betroffen sind Familien mit Kindern, bei denen staatliche Zuschüsse und Freibeträge die Differenz oft auf ein Minimum reduzieren.
Beispiel 1: Alleinerziehend mit zwei Kindern
Maik Menke (41) arbeitet als Gutachter und ist alleinerziehend mit zwei Kindern. Sein Einkommen liegt über dem Bürgergeld, doch nach Abzug von Steuern, Sozialabgaben und Fahrtkosten bleibt ihm kaum mehr. Der Abstand beträgt oft nur wenige hundert Euro.
Weitere Beispiele aus der Praxis
- Familie mit drei Kindern: Der Vater arbeitet Vollzeit, die Mutter in Teilzeit. Trotz eines Bruttoeinkommens von rund 3.500 Euro bleibt netto nur wenig mehr als das Bürgergeld.
- Paar ohne Kinder: Beide arbeiten in Minijobs. Ihr Gesamteinkommen liegt nur knapp über dem Bürgergeld für eine Bedarfsgemeinschaft.
- Alleinstehender mit Vollzeitjob: Bei einem Bruttogehalt von 2.000 Euro netto bleiben nach Miete und Nebenkosten oft nur 415 Euro mehr als beim Bürgergeld.
Warum ist der Abstand so gering?
Die Ursachen sind vielfältig: Steigende Mieten, hohe Sozialabgaben und zahlreiche staatliche Transferleistungen, die auch bei geringem Einkommen gewährt werden. Hinzu kommen Freibeträge beim Bürgergeld, die den Unterschied weiter schmälern.
Was bedeutet das für die Betroffenen?
Viele Arbeitnehmer fühlen sich bestraft für ihre Arbeitsbereitschaft. Die Politik steht vor der Herausforderung, Anreize für Arbeit zu schaffen, ohne die soziale Absicherung zu vernachlässigen. Experten fordern eine Reform der Steuer- und Transfersysteme, um den Abstand zu vergrößern.
- Erhöhung des Grundfreibetrags: Mehr Netto vom Brutto für Geringverdiener.
- Senkung der Sozialabgaben: Entlastung für Arbeitnehmer und Arbeitgeber.
- Kürzung von Transferleistungen: Stärkere Anreize zur Arbeitsaufnahme.
Die Beispiele zeigen: Der Grundsatz „Arbeit muss sich lohnen“ ist in Gefahr. Ohne Gegenmaßnahmen droht eine weitere Erosion der Arbeitsanreize.



