Die finanziellen Belastungen für Pflegebedürftige im Heim steigen unvermindert. Zum 1. Juli 2026 mussten Bewohner im ersten Jahr im Heim bundesweit durchschnittlich 3.364 Euro aus eigener Tasche zahlen – das sind 119 Euro mehr als zu Jahresbeginn und 256 Euro mehr als ein Jahr zuvor, wie eine Auswertung des Verbands der Ersatzkassen (vdek) ergab. Die Koalition arbeitet derzeit an einer Pflegereform, die aufgrund der Finanznöte der Pflegekassen jedoch Entlastungen bei den Eigenanteilen abschwächen könnte.
Regionale Unterschiede: Bremen und Saarland am teuersten
Die Daten zeigen erhebliche regionale Unterschiede. Am teuersten war die Pflege im ersten Jahr im Heim in Bremen mit durchschnittlich 3.761 Euro pro Monat, gefolgt vom Saarland mit 3.695 Euro. Nur in Sachsen-Anhalt lag die Belastung mit 2.891 Euro unter der 3.000-Euro-Schwelle. In den Summen enthalten sind ein Eigenanteil für die reine Pflege und Betreuung, da die Pflegeversicherung nur einen Teil der Kosten trägt, sowie Zahlungen für Unterkunft, Verpflegung, Investitionen und Ausbildungsumlagen.
Kostentreiber Personalausgaben
Hauptkostentreiber sind die Personalausgaben für Pflegekräfte. Seit 2022 dürfen Heime nur noch Verträge mit Pflegekassen schließen, wenn sie nach Tarif oder ähnlich bezahlen. Dies treibt den Eigenanteil für die reine Pflege: Der Ausgangswert stieg im Bundesschnitt auf 2.088 Euro monatlich – 226 Euro mehr als im Juli 2025. Auch Unterkunft und Verpflegung wurden teurer: Im Schnitt sind nun 1.086 Euro fällig, 50 Euro mehr als vor einem Jahr. Die Auswertung basiert auf Vergütungsvereinbarungen der Pflegekassen mit Heimen in allen Bundesländern, wie der vdek erläuterte, dem die Techniker Krankenkasse, die Barmer und die DAK-Gesundheit angehören.
Verbandschefin fordert faire Lastenteilung
Verbandschefin Ulrike Elsner kritisierte die Entwicklung: „Es gab Nachholbedarf, und es ist richtig, dass Pflegekräfte gut bezahlt werden. Doch es kann nicht sein, dass das zu immer stärkeren Belastungen der Pflegebedürftigen führt.“ Sie forderte eine Begrenzung des Kostenanstiegs und eine faire Lastenteilung in der avisierten Pflegereform. Patientenvertreter und Sozialverbände verlangen seit Jahren Entlastungen von den steigenden Zuzahlungen. Eine „Begrenzung der pflegebedingten Eigenanteile“ stand als Prüfauftrag für eine Kommission im schwarz-roten Koalitionsvertrag.
Reformpläne: Einsparungen bei Entlastungszuschlägen
Die Reformpläne von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) sehen jedoch unter anderem Einsparungen bei den Entlastungszuschlägen vor, die mit der Aufenthaltsdauer steigen. Der Eigenanteil für die reine Pflege wird im ersten Jahr um 15 Prozent gedrückt, im zweiten um 30, im dritten um 50 und ab dem vierten Jahr um 75 Prozent. Laut einem Entwurf sollen die Spannen zwischen den Stufen von 12 auf 18 Monate verlängert werden, was die Pflegekassen im nächsten Jahr um 2,6 Milliarden Euro entlasten soll. Zudem ist geplant, die generelle Vorgabe zur Tarifbezahlung von Pflegekräften ab Anfang 2027 für vier Jahre auszusetzen.
Finanznöte der Pflegeversicherung
Hintergrund ist die sich zuspitzende Finanzlage der Pflegeversicherung. Für 2027 wird ein Defizit von 7,6 Milliarden Euro erwartet. Wegen der schwachen Wirtschaftslage soll ein Risiko-Puffer den Finanzbedarf auf insgesamt 11,2 Milliarden Euro erhöhen. Warken hatte Anfang Juni einen Entwurf vorgelegt, um allgemeine Beitragserhöhungen zu vermeiden. Stattdessen soll der Beitrag für Kinderlose leicht auf 4,3 Prozent steigen, die kostenlose Mitversicherung von Ehepartnern eingeschränkt werden und die Voraussetzungen für die Einstufung in einen Pflegegrad tendenziell angehoben werden. Auch Kürzungen bei Rentenbeitragszahlungen für pflegende Angehörige sind geplant.



