Die Sozialgerichte in Berlin und Brandenburg melden einen deutlichen Anstieg der Verfahrenszahlen. Damit folgen sie einem bundesweiten Trend, wie der Deutsche Richterbund mitteilt. Erstmals seit 2021 wurden in Deutschland wieder mehr als 300.000 neue Fälle registriert. „Vermehrte Streitfälle ums Bürgergeld oder um Ansprüche aus der Sozialversicherung treiben die Fallzahlen deutlich nach oben“, erklärte Sven Rebehn, Bundesgeschäftsführer des Richterbundes, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.
Zahlen im Vergleich zum Vorjahr
Die Zahlen basieren auf einer aktuellen Umfrage der Deutschen Richterzeitung, die vom Richterbund herausgegeben wird. Demnach stieg die Zahl der Klagen bei den bundesweit 68 Sozialgerichten im Vergleich zum Jahr 2024 im Schnitt um zehn Prozent auf mehr als 263.500. Besonders stark nahmen die Eilverfahren zu: Sie schnellten um 47 Prozent auf fast 40.000 Fälle hoch (2024: 26.995).
Berlin: Deutlicher Anstieg bei Klagen und Eilverfahren
Beim Sozialgericht in Berlin gingen im Jahr 2025 insgesamt 23.305 neue Verfahren ein, verglichen mit 20.139 im Jahr 2024. Das entspricht einem Anstieg von 11 Prozent bei den Klagen (18.266) und einem Plus von 37 Prozent bei den Eilverfahren (5.039).
Brandenburg: Mehr Fälle, vor allem Eilverfahren
In Brandenburg erhielten die Richter im vergangenen Jahr insgesamt 10.518 neue Fälle – rund 650 mehr als 2024. Besonders auffällig ist der Anstieg der Eilverfahren von 732 auf 1.138 Fälle. Im Geschäftsbericht des Landessozialgerichts Berlin-Brandenburg mit Sitz in Potsdam heißt es, die Eingangszahlen würden „spürbar anziehen“. Es sei eine Trendumkehr zu beobachten. Die Eingangszahlen stiegen von 3.289 Verfahren im Jahr 2024 auf 3.648 Verfahren im Jahr 2025 – ein massiver Zuwachs von fast elf Prozent.
Das Gericht in Potsdam entscheidet über Berufungen und Beschwerden gegen die erstinstanzlichen Entscheidungen der Sozialgerichte in Berlin sowie in Cottbus, Frankfurt (Oder), Neuruppin und Potsdam.
Ausblick: Weiter steigende Zahlen erwartet
Bundesweit rechnen die Gerichte laut Richterbund mit einem weiteren Anstieg der Fallzahlen für 2026 und 2027. Deutschlands größtes Sozialgericht in Berlin verzeichnete im ersten Quartal des laufenden Jahres bereits über 30 Prozent mehr neue Fälle. „Nach einem jahrelangen Rückgang der Zahlen ist nun ein erheblicher Anstieg zu verzeichnen“, sagte Gerichtssprecher Marcus Howe. „Wir betrachten mit Sorge, wie sich das weiter entwickelt.“
Angesichts des Umstiegs vom Bürgergeld zur neuen Grundsicherung zum 1. Juli sowie weiterer angekündigter Reformen des Sozialstaats stellt sich das Gericht in der Hauptstadt auf mehr Arbeit ein. „Wenn die Zügel enger angezogen werden, wird der Verteilungskampf größer und es landen mehr Streitfälle bei uns“, erklärte Sprecher Howe.



