Nur wenige Wochen nach dem Drama um den Buckelwal „Timmy“ ist in dänischen Gewässern erneut ein Wal gesichtet worden. Das Tier wurde am Samstagabend im Kleinen Belt unter der alten Brücke „Den Gamle Lillebæltsbro“ entdeckt. Touristenführerin Linda Frølund Hansen führte eine Gruppe auf einer „Bridgewalking“-Tour, als sie den Meeressäuger bemerkte. Hansen schätzte die Länge des Wals auf etwa zwölf Meter und verglich ihn mit einer Segeljacht. Das Tier schwamm unter der Brücke hindurch in Richtung Süden in die Ostsee. Die Veranstalter der Tour veröffentlichten ein Video der Sichtung auf Instagram.
Experten bestätigen: Es handelt sich um einen Buckelwal
Die „Bridgewalking“-Veranstalter ließen das Video von einem Biologen prüfen, der mit 99-prozentiger Sicherheit einen Buckelwal identifizierte. Meeresbiologe Fabian Ritter schloss sich dieser Einschätzung an: „Ich erkenne klar einen Buckelwal.“ Allerdings zeigte sich der Wal in einem besorgniserregenden Zustand. Die helle Färbung des Rückens deute auf massive Hautprobleme hin, so Ritter. „Wenn sich das Tier wie berichtet immer sehr nah an der Oberfläche aufhält, deutet das auf jeden Fall auf Schwäche hin. Teilweise wirkt das Tier apathisch. Das sieht nicht gut aus und kann einem nur leidtun.“ Ritter stützte seine Aussagen auf das Videomaterial, da er nicht vor Ort war.
Weitere Meeresbiologen äußern Bedenken
Meeresbiologe Carl Kinze vom Dänischen Naturhistorischen Museum sagte dem Sender „DR“: „Er sieht furchtbar aus, was für einen Buckelwal untypisch ist. Das kann an einem Pilzbefall liegen, aber auch an einem ganz natürlichen Bewuchs mit Seepocken.“ Auch Morten Aagaard vom Aquarium „Jyllandsakvariet“ äußerte sich gegenüber „TV 2 Danmark“: „Ich sehe einen Buckelwal, der an der Oberfläche bleibt und langsam schwimmt. Er hat eine helle Färbung am vorderen Teil und das ist nicht normal. Ein Buckelwal ist normalerweise ganz dunkel und glatt. Dieser hier ist rau, als hätte er einen Ausschlag oder wäre von der Sonne geschädigt. Er ist nicht gesund.“
Parallelen zum Fall „Timmy“
Die Symptome erinnern stark an den Buckelwal „Timmy“, der Mitte Mai in der Ostsee strandete. „Timmy“ litt ebenfalls unter Hautveränderungen, hielt sich ständig an der Wasseroberfläche auf und wurde schließlich im seichten Wasser gefunden. Trotz einer aufwendigen Rettungsaktion, bei der das Tier per Lastkahn zur Nordsee transportiert wurde, starb „Timmy“ wenige Tage später vor der dänischen Insel Anholt. Die Obduktion des Wals ist noch nicht einmal drei Wochen her. Ob dem aktuell gesichteten Wal ein ähnliches Schicksal droht, bleibt abzuwarten. Die dänischen Behörden beobachten die Lage.



